21. November 2017 Johannes von Meißen

Der geteilte Glauben

Abspaltungen durchziehen die Kirchengeschichte seit ihren Anfängen und sind auch heute noch präsent. Die Teilung in West- und Ostkirche zählt zu den bedeutendsten Einschnitten und ist bis heute nicht wirklich überwunden.

Papst Paul VI. und der ökumenische Patriarch Athinagoras beendeten auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine gegenseitige Bannung. (Foto: IMAGO)Die Trennung der lateinischen Kirche des Westens von der griechischen Kirche des Ostens, auch als morgenländisches Schisma bezeichnet, wird häufig auf das Jahr 1054 datiert. Der Ursprung liegt jedoch deutlich weiter zurück, im Zerfall des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert. Roms Einfluss schwindet, ist das Westreich doch immer häufiger dem Ansturm germanischer Volksstämme ausgesetzt. Von derartigen Angriffen bleibt der prosperierende Osten weitgehend verschont. Dennoch besteht der Papst beharrlich auf seinen Führungsanspruch gegenüber dem oströmischen Patriarchen. Auch theologisch driften beide Seiten auseinander. 1054 eskaliert der Konflikt als sich Humbert de Silva Candida, Gesandter Papst Leos IX., und Patriarch Michael I. im Streit über theologische Praktiken gegenseitig exkommunizieren. Ereignisse wie die Plünderung Konstantinopels (1204) im Vierten Kreuzzug beschädigen das Binnenverhältnis zusätzlich. An Annäherung ist jahrhundertelang nicht mehr zu denken. Doch erst 1729 wird die Kirchenspaltung von katholischer Seite offiziell, als die Kongregation für die Glaubenslehre die Sakramentsgemeinschaft mit den Orthodoxen aufhebt.

Wie ist das Verhältnis der Kirche heute?

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts steht die römisch-katholische Kirche der ökumenischen Bewegung ablehnend gegenüber. Kirchliche Einheit wird vornehm als Rückkehr der Andersgläubigen zum römisch-katholischen Glauben verstanden. Die gegenseitige Exkommunikation der Kirchenoberen von 1054 wird erst während des Zweiten Vatikanischen Konzils von Papst Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras am 7. Dezember 1965 feierlich aufgehoben. Auch wenn noch Differenzen bestehen, begegnet man sich auch wieder persönlich, wie das Foto von Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomäus I. zeigt.

Gab es weitere bedeutende Teilungen?

In der Zeit nach der Trennung von West- und Ostkirche kommt es von 1378 bis 1417 zum abendländischen Schisma, einer existenziellen Krise der Papstkirche. In dieser Zeit erheben gleich mehrere Personen Anspruch auf den Papstthron, in Rom und Avignon residieren zeitgleich Päpste und Gegenpäpste. Einen weiteren Bruch erleidet die katholische Kirche durch die Reformation im 16. Jahrhundert. Die Reformbewegung teilt sich in der Folge wiederum in verschiedene protestantische Kirche auf, darunter Lutheraner, Calvinisten und Presbyterianer. 1529 sagt sich der englische König von Rom los, und es entsteht die anglikanische Kirche. Bis heute gibt es in allen Teilen der Welt immer wieder Abspaltungen von den großen christlichen Kirchen, die jedoch allenfalls regionale Bedeutung erlangen.