21. November 2017 Johannes von Meißen

Eroberung im Namen Gottes?

Als Entdecker Amerikas ist Christoph Kolumbus in die Geschichte eingegangen. Auf seinen zahlreichen Reisen eröffnete er mit der Erschließung der „Neuen Welt“ auch neue Gebiete, auf denen missioniert wurde. Doch auch unter seiner Führung kam es zu Zwangsmissionierung und Gräueltaten.

Als Entdecker Amerikas ist Christoph Kolumbus in die Geschichte eingegangen. Auf seinen zahlreichen Reisen eröffnete er mit der Erschließung der „Neuen Welt“ auch neue Gebiete, auf denen missioniert wurde. Doch auch unter seiner Führung kam es zu Zwangsmissionierung und Gräueltaten.

Im Jahr 1492 stieß Kolumbus, der unter spanischer Krone segelte, im Wettrennen mit Portugal auf einen bis dahin unbekannten Kontinent. In der Annahme Indien gefunden und somit sein Ziel erfüllt zu haben, erfuhr Kolumbus zeitlebens nicht mehr, dass es sich nicht um Indien handelte. Erst der Seefahrer Amerigo Vespuccio kam zu dieser Einsicht und gab der „Neuen Welt“ den Namen „Amerika".

Das mittelalterliche Weltbild hatte Kolumbus durch seine Reisen grundlegend verändert. Nach seiner Rückkehr nach Spanien feierte man Kolumbus in einem großen Triumphzug als großen Seefahrer. Kaum Beachtung fand das mitunter skrupellose Vorgehen, das aus den Herrschaftsansprüchen und auch dem missionarischen Verhalten während der Eroberungen Kolumbus´resultierte.

Macht und Gottesfürchtigkeit

Man geht heute nicht mehr davon aus, dass Kolumbus bei seinen Reisen ausschließlich vom Entdeckerdrang getrieben wurde. Mehrere Aufzeichnungen belegen, dass ein nicht unwesentlicher Aspekt der Reisen die Suche nach Edelmetallvorkommen war. Dies war notwendig, um die hohen Reisekosten zu decken und auch, um neue Geldgeber zu gewinnen.

Die Motivationen des spanischen Seefahrers deckten sich vermutlich ziemlich mit den üblichen Interessen von iberisch-katholischen Conquistadoren. Ein wesentlicher Beweggrund war die Kombination aus Machtgewinn und erhofftem Reichtum in Verbindung mit der Missionierung der Bevölkerung, auf die man in der „Neuen Welt“ gestoßen war. Eines der klaren Ziele war, die Indios zum Christentum zu bekehren und sie kulturell zu „zivilisieren“. Und auch auf diese Ziele bezogen verhielt sich Kolumbus den Vorstellungen der Spanischen Krone entsprechend loyal. Doch Zwangsmissionierungen und Unterwerfung waren es, die zum Untergang der indigenen Bevölkerung beitrugen.

Kolumbus wird noch heute für seine Entdeckungsreisen gefeiert. Neben Entdeckerdrang waren es vor allem auch der reizvolle Machtgewinn und der Auftrag zur Missionierung, die ihn antrieben. (Foto: IMAGO)

Fragwürdiger Held

Auch heute noch wird Kolumbus Eroberungszug nicht selten auf den Mut und Tatendrang des Seefahrers reduziert und die dunklen Kapitel der Geschichte der Kolonisation treten in den Hintergrund. Mehrere Debatten stellten dem mutigen Vorstoß in unbekannte Gewässer jedoch auch die Gräueltaten gegenüber, die während Kolumbus´Eroberung geschahen.

Diese Taten wurden unter anderem von dem Dominikanermönch Bartholomé de Las Casas dokumentiert, der sich als Geistlicher gegen die Unterdrückung und Zwangsmissionierung der Bevölkerung wandte. Er berichtete von Massenmorden, Vergewaltigungen und zahlreichen eingeschleppten Krankheiten, an denen die Bevölkerung verendete. In wie weit Kolumbus für diese Taten direkt oder indirekt verantwortlich war, ist bis heute nicht geklärt.

Fakt ist, dass die von Kolumbus begonnenen Kolonisation maßgeblich zum Verschwinden der indigenen Bevölkerung beitrug. Auch wenn sich Missionare wie Bartholomé de Las Casas für das Wohl der Bevölkerung während der Kolonisation einsetzten, war die Zwangsmissionierung leider häufig fester Bestandteil skrupellosen Vorgehens der Conquistadores, auch unter Kolumbus.