21. November 2017 Johannes von Meißen

Wie muss eine Kirche aussehen?

Für Christen ist die Kirche der Ort, an dem sie Gottes Größe feiern. Deshalb müssen beim Bau einer Kirche nicht nur architektonische, sondern auch theologische Regeln beachtet werden

Der Grundriss

Viele alte Kirchen erinnern in ihren Proportionen an einen liegenden Menschen. Genauso gut kann so ein Grundriss aber auch als Kreuz interpretiert werden, als das Symbol für Leiden, Sterben und Sieg über den Tod.

Das Weihwasserbecken

Es befindet sich am Eingang jeder katholischen Kirche. Die Gläubigen tauchen die Hand in das Becken und bezeichnen sich mit dem Kreuz. Die Taufformel erinnert sie dabei an das eigene Getauftsein. Weihwasserbecken sind deshalb oft wie Taufbecken gestaltet worden.

Das Taufbecken

Ursprünglich hatte das Taufbecken seinen Platz in der Nähe des Eingangsportals in der Kirchenvorhalle, wo sich auch die Weihwasserbecken befinden. Tauf- und Weihwasserbecken sollen die in die Kirche Eintretenden an die Vergebung ihrer Sünden durch die Kraft des Sakraments der Taufe erinnern. Wegen der herausragenden Bedeutung der Taufe wurde das Taufbecken nach der Liturgiereform des II. Vatikanums weiter nach vorn in den Chorraum gerückt.

Die Stufen

Die Stufen in die Kirche und jene zum Altar sind das Symbol für den Weg von der Dunkelheit auf Erden zum himmlischen Licht. Der Weg durch die Kirche bis zu den Stufen am Altar symbolisiert gleichzeitig den oftmals langen Weg des Gläubigen zu Christus als Heilsbringer.

Das Westwerk

Im Westen geht die Sonne unter. Der Westen galt im Mittelalter als Sitz des Bösen, wo dämonische Kräfte wirken. Das Westwerk symbolisiert aber gleichzeitig den Platz der Mächtigen. Weltliche Herrscher genossen es, vom Thron im Westwerk aus ihre Macht über den Klerus zu demonstrieren.

Der Altar

Der Altar ist immer nach Osten aus-gerichtet. Er befindet sich dort, wo die Sonne aufgeht, wo das Licht die Finsternis besiegt. Das Licht und die Wärme der aufgehenden Sonne im östlichen Chorraum symbolisieren Heil und Heilung. Im Osten nahe beim Altar waren und sind die besten Plätze der Kirche. Hier steht der Bischofsstuhl, und hier fanden einst viele Heilige ihre Grabstätten. Im Chorraum befand sich früher ein Hochaltar, der mit einer Schranke, dem Lettner, Klerus und Gläubige räumlich voneinander getrennt hat. Vor dem Lettner befand sich ein einfacher Volksaltar. Seit dem II. Vatikanischen Konzil (siehe auch Seite 24) ist diese starre Anordnung aufgehoben worden. Der Altar ist weiter nach vorn zu den Gläubigen, mancherorts sogar in den Mittelpunkt der Kirche gerückt. Auf ihm wird die Wandlung vollzogen und somit des Opfertodes Christi gedacht. Der Begriff „Altar“ kommt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet „Aufsatz auf dem Opfertisch“.

Öffentlicher Raum

Im Mittelalter waren Kirchen die größten Steinbauten der Städte und der Gemeinden. Bei Überfällen, Bränden und Unwettern boten sie den Menschen Schutz und Unterkunft. Verfolgte fanden Schutz vor dem Gesetz. Hier wurde Recht gesprochen und wurden Verordnungen verlesen.

Bildmotive

Viele Menschen in früheren Jahrhunderten konnten nicht lesen. Für sie waren die Malereien und Skulpturen wie eine Bibel in Bildern. So zeigt etwa der Kreuzweg in 14 Stationen den Weg Christi vom Palast des Pilatus bis auf den Berg Golgota. Heilige werden mit typischen Attributen dargestellt.

Die Krypta

Das Wort „Krypta“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet geheim, verborgen. In einer Krypta, oft viele Stockwerke unter der Kirche, finden sich Heiligengräber und Reliquien. Marlis Kurz-Lunkenbein INFO Braucht eine Kirche eigentlich unbedingt einen Kirchturm? Nein, dafür gibt es keine theologische Begründung. Wohl aber mehrere praktische. Die Glocken rufen die Gläubigen zum Gottesdienst, die Uhr erinnert daran, dass das irdische Leben vergänglich ist, Fenster dienten in früheren Zeiten als Ausblick für Feuerwächter. In den Kugeln auf Kirchturmspitzen werden traditionell zeittypische Dinge für nachfolgende Generationen hinterlegt: etwa Münzen, Fotografien oder Tageszeitungen.

Marlis Kurz-Lunkenbein

Info

Braucht eine Kirche eigentlich unbedingt einen Kirchturm?

Nein, dafür gibt es keine theologische Begründung. Wohl aber mehrere praktische. Die Glocken rufen die Gläubigen zum Gottesdienst, die Uhr erinnert daran, dass das irdische Leben vergänglich ist, Fenster dienten in früheren Zeiten als Ausblick für Feuerwächter. In den Kugeln auf Kirchturmspitzen werden traditionell zeittypische Dinge für nachfolgende Generationen hinterlegt: etwa Münzen, Fotografien oder Tageszeitungen.