25. September 2018 Nikolaus von Flüe

Frieden. Von der Antike bis heute

Das hat es in Münster noch nie gegeben: Fünf völlig unterschiedliche Museen haben sich in der Stadt des Westfälischen Friedens für ein großes Ausstellungsprojekt zusammengetan. Bis zum 2. September beleuchten sie das Thema „Frieden. Von der Antike bis Heute“ aus verschiedenen Blickwinkeln. 

Der holländische Maler Gerhard ter Borch setzte um 1646 den Einzug des Gesandten Adriaen Pauw in Szene. Der Diplomat vertrat die Niederlande bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster. – Foto: Stadtmuseum Münster

Gleich im ersten Raum der Schau im LWL-Museum empfängt die Besucher ein Gemälde der Friedensgöttin Pax. Im Arm hält sie ein Füllhorn, das die Segnungen friedlicher Zeiten symoblisiert; zu ihren Füßen liegen Wolf und Schaf friedlich beieinander. Der paradiesische Friede als christliche Vision ist auch Ausgangspunkt der Bistumsausstellung. Und noch einmal begegnet man den Tieridyllen, auf einem antiken Relief im archäologischen Museum. Im Picasso-Museum versinnbildlichen Variationen der Friedenstaube die Hoffnung des spanischen Künstlers auf ein friedliches Europa. Eine Hoffnung, die viele gemeinsame Wurzeln hat und doch immer wieder von Menschen brutal zerschlagen wurde. 

2018 gibt es gleich drei markante Eckdaten, die für eine intensive Beschäftigung mit dem Thema „Krieg und Frieden“ sprechen: Vor 400 Jahren brach der Dreißigjährige Krieg aus, unter den vor 370 Jahren der Westfälische Frieden von Münster und Osnabrück einen Schlussstrich setzte. Dazu endete vor 100 Jahren das Gemetzel des Ersten Weltkriegs. Gelernt haben die Menschen aus diesen Katastrophen nicht. „Wir leben in Deutschland auf einer Insel der Seligen, angesichts von über 200 bewaffneten Konflikten, die aktuell in der Welt ausgetragen werden“, sagte Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

Christus zerbricht ein Gewehr (Bistumsausstellung): eine Geste von großer Stahlkraft. – Foto: Gerhard Schneider/Otto Pankok Stiftung 2018

Als Träger des Museums für Kunst und Kultur in Münster ist der LWL maßgeblich an dem Ausstellungsprojekt beteiligt. Dazu kommen als Kooperationspartner: das Bistum Münster, das Stadtmuseum Münster, das Picasso-Museum und das Archäologische Museum der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster. Drei Jahre lang haben die Kuratoren dieser Institutionen mehr als 660 Objekte aus der internationalen Museumslandschaft zusammengetragen. Dank der Vielfalt von Münsters Museumslandschaft wurden die Mitstreiter ihrem Anspruch gerecht, den Friedensgedanken von der Antike bis in die Gegenwart zu verfolgen.

„Wege zum Frieden“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur

Zu allen Zeiten haben Künstler versucht, dem abstrakten Begriff „Frieden“ ein Gesicht zu geben. Das wird in sechs Räumen des LWL-Museums veranschaulicht, anhand von Gemälden, die den Wandel von Friedenssymbolen zeigen, hin zu Bildern, die anhand der Schrecken des Krieges die unbedingte Notwendigkeit von Frieden beschwören. Ein Künstler, der dieses krass vor Augen führt, ist Otto Dix (1891–1969). Der Maler kämpfte im Ersten Weltkrieg an der Front, erlebte Giftgas und Trommelfeuer. Erfahrungen, die in seine Werke einflossen. Etwa in die Schwarz-Weiß-Grafik von einem Soldaten, dem eine Hälfte des Gesichts weggeschossen wurde. Schonungslos legt Dix die Fleisch- und Gehirnmassen bloß.

Wie im Himmel so auf Erden? Das Bistum Münster zu Gast im LWL-Museum

 „Zur jüdisch-christlichen Tradition gehört es, eine Friedensvision zu haben“, erklärt Generalvikar Norbert Köster. Diese Vision habe jedoch nur eine Chance, wenn Menschen bereit sind, sie zu tragen. Diese Problematik verdeutlicht die Ausstellung des Bistums Münster – ohne zu verhehlen, dass Christen die pazifistischen Grundsätze ihres Glaubens im Lauf der Geschichte immer wieder unterlaufen haben. Die Kreuzzüge sind ein Beispiel dafür, wie die Ausstellung deutlich macht.

Auch provokante Fragen werden aufgeworfen, wie die, ob Gott wirklich allen verzeiht. So steht es auf einer Fotomontage, bei der Hitlers Kopf den betenden Körper eines Mannes verzerrt. Von Raum zu Raum wird es in der Bistumsausstellung immer dunkler, von der lichten Friedensvision zur düsteren Realität. Erst der letzte Raum wird wieder heller. Er steht für die vergangenen Jahrzehnte, in denen sich die Christen zunehmend für andere Religionen geöffnet haben.

Das idyllische Nebeneinander von Raub- und Beutetieren symbolisiert Frieden, wie auf einer Postkarte in der Bistumsausstellung. - Foto: Hanfstaengls Künstlerkarte Nr. 166/Bistum Münster

„Eirene – Pax. Frieden in der Antike“ im Archäologischen Museum

„Es gehört zu allen Zeiten zur menschlichen Grunderfahrung, Konflikte auszuhalten, aber auch zu wissen, dass kultureller Fortschritt nur möglich ist, wenn es gelingt, Frieden zu organisieren“, sagt Michael Quante, Philosoph und Rektoratsmitglied der Universität. Dass Frieden auf dem Weg von Verhandlungen und Verträgen erreicht werden kann, haben die Menschen schon früh festgestellt. In der archäologischen Ausstellung ist ein Fragment des wohl ältesten Friedensvertrags der Welt zu sehen. Er wurde 1259 vor Christus zwischen Ägyptern und Hethitern geschlossen und beendete jahrelange Grenzkriege zwischen den beiden Völkern.

„Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Friede“ im Stadtmuseum Münster

Er gilt als Vorbild eines diplomatischen Ausgleichs widerstreitender Interessen, als Kompromiss, der wichtige Grundlagen für das heutige Europa schuf – der Westfälische Frieden von 1648. Diese Einschätzung bestand jedoch nicht immer. Das Stadtmuseum Münster setzt sich kritisch mit missbräuchlichen Deutungen des Friedensschlusses auseinander, unter anderem am Beispiel eines umstrittenen Friedensdenkmals von 1905 und einer geplanten Propaganda-Ausstellung der Nationalsozialisten. Beide Projekte belegen, dass der Westfälische Friede weder im kolonialistischen Kaiserreich noch unter der NS-Diktatur geschätzt wurde – vielmehr als Schmach deutscher Größe verunglimpft wurde. 

„Picasso – Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube“ im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Im Mittelpunkt dieser Schau steht die Friedenstaube, die Picasso 1949 für den ersten Weltfriedenskongress entwarf. Sie wird – in den verschiedenen Variationen, in denen Picasso sie immer wieder gestaltete – mit einem anderen Werk des spanischen Malers konfrontiert, das wie kaum ein anderes für die Schrecken des Krieges im 20. Jahrhundert steht: Guernica. Das Gemälde selbst kann in Münster nicht gezeigt werden, aber eine Fotoserie dokumentiert die Arbeit von Picasso an diesem Bild, das die Zerstörung der baskischen Stadt durch einen deutschen Luftangriff 1937 anprangert. – Anke Schwarze

Die fünfteilige Ausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“ kann bis zum 2. September in folgenden Museen in Münster besichtigt werden: 

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, Tel. 0251/5907201, www.lwl.org/LWL/Kultur/museumkunstkultur

Bistum Münster zu Gast im LWL-Museum, Domplatz 10, Tel. 0251/8326920, www.friedensausstellung-muenster.de

Archäologisches Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Domplatz 20–22, Tel. 0251/8324588, www.uni-muenster.de/ArchaeologischesMuseum

Stadtmuseum Münster, Saltzstraße 28, Tel. 0251/4924503, www.stadt-muenster.de/museum/aktuelles

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, Tel. 0251/4144710, www.kunstmuseum-picasso-muenster.de