21. November 2017 Johannes von Meißen
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Mit dem Papst nach oben

Mit einem Lied über Papst Franziskus will das Duo „Kevin und Manuel“ die Herzen nicht nur von Schlagerfans erobern. Die ehemaligen Regensburger Domspatzen finden, dass Franziskus ein super Typ ist und wollen Kirche und Schlager wieder zu jungen Leuten bringen.

Von Thomas Schnieders

Kevin und Manuel mit Papst Franziskus
Kevin (rechts) und Manuel mit Papst Franziskus aus Pappe im Tonstudio. (Fotos: Schnieders)
Der Weg zum Papst war für Manuel als Kind schon vorgezeichnet. Als vier- oder fünfjähriger Junge, so genau weiß er das nicht mehr, war er mit seinen Eltern in der Regensburger Sankt Johann Kirche. Sie trafen dort auf Georg Ratzinger, der lange den Chor der Regensburger Domspatzen geleitet hat. „Ich habe ihm die Tür aufgehalten, und wusste als kleiner Knirps natürlich nicht, wer das ist. Dann hat er zu mir gesagt, als meine Eltern daneben standen, du wirst auch einmal ein Domspatz“, erinnert sich Manuel. Seine Eltern hätten sich das zu Herzen genommen, er selbst habe das einige Jahre später aber gar nicht gewollt. Schließlich seien seine Freunde alle auf andere, normale Schulen gegangen. Doch mit einem Spielzeug habe er sich dann irgendwann bestechen lassen. Heute lacht der 19-Jährige über diese Geschichte.

Kevin und Manuel lernen sich bei den Domspatzen kennen

 
Bei den Domspatzen hat Manuel dann Kevin kennengelernt, der schon im Vor-Chor der musikalischen Früherziehung gesungen hat. Jetzt, als junge Männer, stehen die beiden im Tonstudio, zwischen sich den Papst. Der schaut mild ins irgendwo, ist allerdings aus Pappe. Gern würden beide dem echten Papst ihr „Papa Francesco“ einmal im Vatikan vorsingen.
Dabei machen Kevin und Manuel eigentlich Gute-Laune-Schlager. Mit „Mitternacht auf Korsika“ wurden sie 2014 die „Schlagerhitkönige“ in der ARD. Der Wechsel von klassischer Domspatzen-Kirchen- zu leichter Partymusik sei zwar eine Umstellung gewesen, aber bereuen würden sie die Entscheidung nicht. In diesem Jahr wollen sie nun ganz groß raus kommen: mit ihrem Lied über den Papst.
 
„Dieser Mann gibt uns Vertrauen,
auf sein Wort,
da kann man bauen,
und zu glauben,
hat jetzt wieder Sinn.“
 
Den Gedanken, den Papst zu besingen, finden Kevin und Manuel gar nicht so abwegig. „Wir sind beide christlich erzogen worden, und bei den Domspatzen haben wir fast jeden Sonntag im Dom gesungen“, sagt Manuel und ergänzt: „Der Papst ist schon ein super Typ.“ Kevin, der neben seinem Kumpel sitzt, deutet mit seinem Nicken Zustimmung an. „Ich habe den Eindruck, dass dieser Papst wirklich etwas bewegt“, ruft Günther Behrle nun. Er hat das Lied geschrieben und ist der Produzent der Buben, die eigentlich Valentin und Martin heißen. Weil Behrle aber findet, dass sie den Fußballspielern Kevin Großkreutz und Manuel Neuer so ähnlich sehen, hat er ihnen die Künstlernamen verpasst.
 
Kevin (rechts) und Manuel mit Günther Behrle (Mitte) am Mischpult im Tonstudio.
Kevin (rechts) und Manuel mit Günther Behrle (Mitte) am Mischpult im Tonstudio.
 
Behrle lümmelt im Sessel seiner Tonstudio-Sitzgruppe, als läge er noch an diesem Pool in den Florida, wo ihm „Patrona Bavariae“ einfiel. Fast 30 Jahre ist das nun her. 1988 gewann das „Original Naabtal Duo“ mit seinem Lied über die Mutter Gottes den Grand Prix der Volksmusik. Die Schunkelhymne, an die außer ihm erst niemand geglaubt habe, wurde das bis heute erfolgreichste Lied des volkstümlichen Schlagers. 25 Millionen 

Mut zu religiöser Musik über den Papst

 
Stück habe man davon verkauft, sagt Behrle. Die Doppelplatin-Schallplatte hängt an der Wand in seinem Studio, das er dem American Way of Life gewidmet hat.
Das amerikanische Versprechen, dass jeder schaffen kann, was er sich vornimmt, nimmt sich auch Behrle zu Herzen. Davon zeugen nicht nur seine Sitzgruppe im Stil eines American Diner, der nachgebaute Vergnügungspier von Santa Monica und die überlebensgroße Oscar-Statue. An der Wand hängen auch Dutzende Bilderrahmen. Das Motiv sind immer Siegfried und Roy, das Zauberduo, das mit der Dressur weißer Tiger berühmt wurde. „Der Siegfried“, sagt Günther Behrle und imitiert dessen amerikanischen Akzent, „der Siegfried hat zu mir gesagt: Wenn du einen Traum hast, musst du auch den Mut haben, es zu machen.“ Mit Siegfried als Vorbild hat der Musikproduzent jetzt wieder den Mut, noch einmal ein religiöses Lied zu produzieren. Das macht er auch, um den Papst zu unterstützen: „Ich glaube, der hats schon schwer im Vatikan.“
 
„Papa Francesco, Papa Francesco,
bring den Menschen
wieder Frieden in die Welt.
Papa Francesco, Papa Francesco,
so ein Papst wie du
hat uns schon lang gefehlt.“
 
 
Die Idee zu diesen Zeilen kam Günther Behrle folgerichtig im vergangenen Jahr in Amerika. Bei einem Besuch in der St. Patrick‘s Cathedral in New York. Die Frische und die Leichtigkeit, die die Gottesdienste in den USA ausmachten, wolle er nach Deutschland weitertragen. Dem stimmt Manuel zu: „Mir tut es persönlich schon leid, dass immer weniger Leute in die Kirche gehen.“ Gerade auch bei jungen Menschen gebe es viele Vorurteile. „Die denken, da sitzen ein paar Omis und Opis, die beten den Rosenkranz runter.“ Ihm würde gefallen, wenn die Messe mehr auf junge Leute ausgerichtet würde.

Kevin und Manuel sind evangelisch und katholisch

 
Dass die katholische Kirche sich den Menschen mehr zuwendet, hofft auch Kevin, dabei ist der 20-Jährige evangelisch. „Meine Eltern haben es mir komplett selbst überlassen, mich für einen Glauben zu entscheiden“, erzählt er. Er habe die evangelischen Gottesdienste immer als viel persönlicher gestaltet empfunden, die Predigten als leichter verständlich, zumindest im Vergleich zu denen im Regensburger Dom, die er an zahlreichen Sonntagen gehört hat. Kevin war 14, als er sich zur evangelischen Taufe entschloss. Als einen Widerspruch empfindet er das nicht. Und sein Kumpel Manuel springt ihm bei: „Eigentlich ist es egal, ob man katholisch oder evangelisch ist. Man kann den Papst ja so oder so super finden.“

Comedians mahen sich über das Duo lustig

 
Allerdings muss man auch erwähnen, dass nicht jeder die beiden ehemaligen Regensburger Domspatzen super findet. Stefan Raab verglich ihre Tanzschritte mit den abgehackten Bewegungen der Ausgburger Puppenkiste, der Comedian Oliver Kalkhofe nannte sie „Hackfressen“. Und Hackfressen war noch die netteste Beleidigung, die ihm zu dem Duo eingefallen ist. Über 100.000 Mal ist der entsprechende Videoclip im Internetportal Youtube angeklickt worden. Mehr als zehn Mal so oft wie ihr Musikvideo zu „Mitternacht auf Korsika“, sozusagen dem Original.
 
„Du nimmst kleine Kinder
in den Arm, nimmst dich aller Heimatlosen an,
du warst schon auf Lampedusa,
als der Rest der Welt noch zusah,
du willst, dass ein Mensch noch Menschsein kann.“
 
„Im ersten Moment ist man irritiert, aber es ist schon gute Werbung“, sagt Kevin, die Haare hochgegeelt zur Fußballerfrisur. „Am Anfang waren wir schon gekränkt, aber heute nehmen wir es mit einem Lächeln.“ Manuel lächelt daraufhin wirklich, aber es wirkt etwas gequält.
 
Kevin (rechts) und Manuel singen im Regensburger Tonstudio.
Kevin (rechts) und Manuel singen im Regensburger Tonstudio.
Befreit hingegen wirken sie im Tonstudio selbst. Das gestalterische Thema ist hier „Italien“. Und das passt dann ja doch wieder zum Papst-Lied. Für das Foto fangen Kevin und Manuel spontan an zu singen. Es soll schließlich nicht nur so aussehen, als würden sie singen. Gerade jetzt, wo kein schneller Schlagerrythmus unter ihrem Gesang liegt, ist ihre klassische Gesangsausbildung der Domspatzen genau zu erkennen. Klar und deutlich artikulieren sie, ihre Stimmen müssen sie nicht verstecken. Im Sommer wollen sie Günther Behrles größten Hit, das „Patrona Bavariae“ noch einmal neu aufnehmen, in einem moderneren Gewand. Ein bisschen sei der Schlager wie die Kirche, sagen sie noch. Beides müsse man wieder zu den jungen Leuten bringen.
 

Stichwort:

Patrona Bavariae ist die lateinische Bezeichnung für „Patronin Bayerns“. Unter diesem Namen wird Maria oft als Schutzheilige in dem Freistaat verehrt.
Der bayerische König Ludwig III. wollte während des Ersten Weltkrieges ein eigenes Marienfest einführen. Er wandte sich an Papst Benedikt XV. mit der Bitte, Maria offiziell als Schutzpatronin Bayerns einzuführen. Ursprünglich wurde dieses Fest ab 1916 immer am 14. Mai gefeiert, seit 1970 am 1. Mai.
 
(11.04.2016)
 
 Diese  Reportage erschien am 17. April 2016 in unseren Zeitschriften Liboriusblatt, Bayerisches Sonntagsblatt und Christliche Woche. Möchten Sie unsere Zeitschriften kostenlos und unverbindlich probelesen? Mehr Informationen erhalten Sie hier.