21. November 2017 Johannes von Meißen

„Kraft in der Krise“


Für viele bedeutet die Krankensalbung die letzte Ausfahrt. Jetzt ist alles zu spät, der Kranke wird für den Tod gesalbt. Dabei will dieses Sakrament aufbauen und Kraft schenken, um der Krankheit zu trotzen. Und noch etwas bewirkt die Salbung: Gott vergibt uns unsere Sünden.

Gott gibt auch in schweren Zeiten Kraft (Foto: Corbis)Jeder war schon einmal krank. Jeder kennt das Gefühl, aus dem Alltag herausgerissen zu werden und hilflos abwarten zu müssen. Und je nachdem wie schwer die Krankheit ist, kann diese Zeit eine tiefe Krise bedeuten. Wir erleben dann unsere Schwäche, unsere Ohnmacht und unsere Endlichkeit. Solch eine Krankheit bedeutet immer auch eine Grenzerfahrung im wahrsten Sinne des Wortes: Der Mensch sieht, dass seine Existenz Grenzen hat. Und dass er oft alleine keine Chance hat, auf Hilfe angewiesen ist. Jesus Christus hat den Kranken diese Hilfe gegeben. Er wandte sich ihnen zu, tröstete und hielt sie. Und er trug seinen Aposteln auf, seine Mission weiter zu führen: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Dieser Auftrag gilt bis heute. Natürlich auch oder gerade für die Kirche. Dafür gibt es das Sakrament der Krankensalbung. Früher wurde es oft mit der „Letzten Ölung“ gleichgesetzt, dabei liegt grundsätzlich der Akzent auf einem anderen Punkt. Die Krankensalbung soll stärken – physisch und psychisch. Sie soll dem Menschen helfen, wieder gesund zu werden. Aber mehr noch soll dieses Sakrament dem Kranken die Kraft geben, seine Situation zu tragen. Diese Kraft wird ihm durch das Sakrament und dank der Gnade Gottes zuteil. Aber die Krankensalbung sagt noch mehr: Die Kirche ist eine lebendige Gemeinschaft. In der Salbung bekennt sie sich offen zu dem kranken Mitglied. Sie zeigt die Verbindung in die schreckliche Krise hinein. In der Salbung steht die Gemeinschaft der Kirche sozusagen am Krankenbett. Sie guckt nicht weg, schämt sich nicht. Denn zuletzt vergibt Gott dem Kranken in der Salbung seine Sünden. In der schlimmen Krise sagt Gott: Vertrau auf mich. Deine Sünden sollen dir vergeben sein. Und das ist für viele schon Trost und Kraft genug. Die Krankensalbung ist kein Sakrament, das nur einmal gespendet werden darf. Es kann durchaus noch einmal vom Kranken empfangen werden. Befindet sich der Kranke allerdings im Sterben, dann ist die heilige Kommunion das eigentliche Sakrament. Simon Biallowons Mehr Wissen über den katholischen Glauben jeden Monat im Liborius Magazin: Hier geht's zum Probeabo!