21. November 2017 Johannes von Meißen

„Zurück zu Gott“

Buße hört sich nicht besonders einladend an. Wir haben unwillkürlich Peitschen und Peinigungen im Sinn. Doch davon können wir uns getrost verabschieden. Diese Form der „Buße“ mag es geben – der wahre Sinn dieses Sakramentes ist jedoch ein anderer.

„Buße“ bedeutet zunächst einmal „Umkehr“. Aber wohin kehren wir? Buße ist eine Umkehr zu Gott. Warum aber müssen wir überhaupt umkehren? Jeder kennt das Gefühl, auf dem falschen Weg zu sein. Man merkt irgendwie instinktiv, dass man sich von seinem Ziel entfernt, dobwohl man schon lange unterwegs ist. Es scheint, als würde jeder Schritt weiter vom Ziel wegführen. Und trotz dieses Gefühls fällt es schwer, die Richtung zu ändern. So geht es uns oft auch in der Beziehung zu Gott. Wir wenden uns ab, kehren ihm den Rücken zu und marschieren immer nur unserer eigenen Nase nach. Und das Schlimmste daran ist: Oft wissen wir, dass wir eine falsche Richtung eingeschlagen haben.
Die Kirche hat für dieses Abwenden einen alten Begriff: Sünde. Sünde ist schlicht das Abwenden von Gott. Wenn wir sündigen, entfernen wir uns von Gott, unsere natürliche Verbindung zu ihm wird gestört. Augustinus hat dafür ein schönes Bild gefunden: das in sich gekrümmte Herz. Wir verschließen uns vor Gott und der Umwelt, wir igeln uns innerlich ein. Und das ist auch die Erfahrung, die wir meistens machen, wenn wir „sündigen“: Wir schließen uns aus. Wir isolieren uns selber.

Gott schenkt uns die Kraft, umzukehren

Buße ist Hinwenden zu Gott (Foto: KNA)Diese Isolation führt zu großer Einsamkeit. In der Bibel versucht Jesus immer wieder Sünder aus dieser Einsamkeit zu befreien, zum Beispiel den Zöllner Zachäus. Doch das geht nur, wenn der Mensch bereit ist, seine Isolation zu überwinden – das bedeutet „Buße“. Wir können uns das sehr plastisch vorstellen: Wenn wir uns selber ausgrenzen, drehen wir uns von den anderen weg. Wir stellen uns vielleicht in eine Ecke und starren die Wand an. Kommt jemand und fordert uns zum Mitmachen auf, nützt das herzlich wenig, solange wir weiter auf die Wand starren. Erst wenn wir uns umdrehen – also eben "umkehren" – und in das Gesicht des anderen blicken, wenn wir so die Kommunikation wieder aufnehmen, können wir wieder zurück in die Gemeinschaft oder die Beziehung wieder neuaufnehmen.
Doch genau das fällt manchmal so schwer. Wir müssen dann nämlich zugeben, dass wir Fehler gemacht haben. Unter Umständen braucht es dafür viel Kraft. Diese Kraft schenkt uns das Sakrament der Buße. Das Sakrament der Buße hat eine doppelte Ausrichtung. Auf der einen Seite die Bereitschaft des Menschen, innerlich umzukehren. Wir kennen dafür den Begriff der „Reue“. Der Mensch muss aber nicht nur bereuen, sondern auch bekennen. Er muss zu seinen Fehlern stehen – das kann zum Beispiel in der Beichte geschehen. Das ist die eine Seite der „Buße“, sie beschreibt die Rolle des Menschen.
Auf der anderen Seite steht nun die Gnade Gottes, der durch die Kirche diese Umkehr annimmt, bekräftigt und durch die Vergebung der Sünden abschließt. Nach dieser Vergebung sind wir wieder voll integriert. Unsere Beziehung zu Gott und zu den Menschen ist repariert. Das gekrümmte Herz öffnet sich und lässt uns am Leben teilnehmen. Natürlich werden wir immer wieder erleben, wie sich unser Herz verkrümmt. Aber wir wissen dann eben auch: Gott bietet uns die Hand an. Er lässt niemanden abseits in der Ecke stehen. Wenn wir denn bereit sind, diese Ecke zu verlassen. Anders geht es nicht. Simon Biallowons