21. November 2017 Johannes von Meißen

Die Geschichte von Brot und Wein

Auch vor seinem Tod denkt Jesus nur an uns. Beim letzten Abendmahl zeigt er seinen Freunden, wie er immer bei ihnen bleibt. Wir erinnern daran in der Kommunion.

Jubelnde Menschen, empörte Händler und neidische Gelehrte: Als Jesus an diesem Donnerstag durch Jerusalem läuft, erinnert er sich an viele Gesichter. Jesus ist erst seit Kurzem in der Stadt, hat aber schon einiges erlebt. Am vergangenen Sonntag war Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen. Die Bewohner schwenkten Palmzweige und riefen: „Hosianna!“ Hosianna war ein alter Klageruf. Die Bewohner wollten von Jesus gerettet werden. Durch den Tumult wurden die Priester erstmals auf Jesus aufmerksam. Als er am Montag die Händler aus dem Tempel vertrieb, spitzte sich die Lage zu. Die Priester wurden noch wütender, als Jesus sie am Dienstag austrickste. Sie wollten ihn gegen den Kaiser aufhetzen, doch er durchschaute die Falle. Am Mittwoch schließlich bekamen die Priester ihre Chance: Sie bestachen einen Apostel, einen der engsten Vertrauten Jesu. Judas versprach, Jesus auszuliefern. Aber der wusste von dem Verrat. All das beschäftigt Jesus, als er am Donnerstag durch Jerusalem spaziert. Seine Apostel kaufen für eines der wichtigsten jüdischen Feste, das Pessach, ein. Jesus hat dieses Fest oft gefeiert – heute wird er es zum letzten Mal tun. Am Abend treffen sich Jesus und seine zwölf Apostel zum letzten Abendmahl. Die Stimmung ist gedrückt, die Apostel wissen durch Jesus von dem Verräter. Aber keiner ahnt, dass es Judas ist. Außer Jesus, der aber ruhig bleibt. Er will seinen Freunden etwas zum Abschied hinterlassen. In die Stille hinein bricht Jesus ein Stück Brot und spricht: „Nehmt und esst; das ist mein Leib.“ Dann reicht Jesus den Kelch mit Wein und fährt fort: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Jesus macht uns ein großes Geschenk

Jesus macht seinen Aposteln ein großes Geschenk. Dieses Geschenk gilt auch uns: Der Priester spricht im Gottesdienst diese beiden wichtigen Sätze bei der Wandlung. Dabei werden die Hostien in den Leib, der Wein in das Blut Jesu verwandelt. Wie geht das? Hostie und Wein bleiben äußerlich gleich. Aber im Inneren, in ihrem Wesen verändert sich etwas. Das ist so: Ein Mensch war Verbrecher. Doch er ändert sich und wird gut. Er bleibt zwar äußerlich gleich. Aber ist doch ein anderer Mensch, weil er sich innerlich verändert hat. So ähnlich funktioniert die Wandlung. Wer bewirkt diese Wandlung? Gott. Der Priester bittet dabei um die Kraft Gottes. Durch ihn werden Brot und Wein wirklich zu Jesu Leib und Blut. Jesus ist nun tatsächlich in den Gaben anwesend. Er ist in der Eucharistiefeier mitten unter uns – und das ein für alle Mal. Die Hostien werden durch die Wandlung zu Jesu Leib und danach an die Gläubigen verteilt. Das heißt: Jesu Leib wird den Gläubigen geschenkt. Wir können ihn anfassen, essen, schmecken. Er ist direkt bei uns. Jesus und der Gläubige – in der Kommunion wird eine Gemeinschaft geschlossen, die einzigartig ist. Die Kommunion verbindet uns aber nicht nur mit Jesus. Sondern auch mit allen anderen Gläubigen. Das nämlich bedeutet „Kommunion“. Der Begriff kommt vom lateinischen „communio“, „Gemeinschaft“. Die Erstkommunion ist die Eintrittskarte zu dieser „Gemeinschaft“.

Unsere Freundschaft mit Jesus wird noch enger

Die Apostel waren vor mehr als 2000 Jahren Jesu beste Freunde. Ihnen schenkte er beim letzten Abendmahl seinen Leib – in der Erstkommunion bekommen Mädchen und Jungen das gleiche Geschenk. Sie werden Jesu Freund. Bereits durch die Taufe sind wir mit ihm verbunden. In der Erstkommunion wird diese Verbindung noch enger. Jesus hat gesagt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“ Jesus verlangt dafür nur eines: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, hat er zu seinen Aposteln gesagt. Jesus will, dass wir sein Vermächtnis bewahren. Das geht, wenn wir die Eucharistie mitfeiern. Dort ist Jesus ganz nah. Das ist ein wunderbares Gefühl. Ein Gefühl der Geborgenheit – ein Gefühl, das wir das erste Mal in der Erstkommunion erleben. Simon Biallowons Weiterlesen: Pater Anselm Grün beantwortet Ihre Fragen: "Muss ich vor der Messe nüchtern bleiben?" | "Darf evangelischer Mann zur Kommunion gehen?"