Allerheiligen
Jedes Leben kann glücken
„Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf“, heißt es in einem modernen geistlichen Lied. Diese Botschaft könnte auch über dem heutigen Fest stehen, das den Begriff „heilig“ auf überraschende Weise anders interpretiert, als das üblich ist.
„Allerheiligen“ ist eigentlich das Kirchweihfest eines ungewöhnlichen Gotteshauses: Anfang des siebten Jahrhunderts segnete Papst Bonifaz IV. die römische Kirche Sancta Maria ad Martyres, Maria bei den Märtyrern, zu welcher man das heidnische Pantheon umfunktioniert hatte, den Tempel aller Gottheiten Roms. Im Mittelalter wurde das Fest dann in den Reichskalender aufgenommen und – unter irischem Einfluss – auf sämtliche Heiligen ausgedehnt.
Darin steckt der Hinweis, dass die Schar der Heiligen keineswegs nur aus Märtyrern, Glaubenspredigern, Mystikerinnen, Ordensgründern, Nonnen besteht. „Heilig“ heißt im kirchlichen Sprachgebrauch jeder Mensch, der nach einem trotz aller Brüche, Enttäuschungen, Schwächen und Niederlagen geglückten Leben bei Gott angelangt ist.
„Allerheiligen und Allerseelen sind die Feste aller Heiligen und aller Seelen, die heimgegangen sind in die ewige Liebe Gottes. Aller, also nicht so sehr jener, die schon einzeln mit Namen von der Kirche gefeiert werden, sondern jener stillen, namenlosen, die weggehen, als seien sie nie gewesen, von denen keine Legende erzählt und kein Heldenbuch berichtet, sondern jener, von denen nur einer weiß, Gott, der sie in das Buch des Lebens eingeschrieben hat, das das Herz seiner ewigen Liebe ist“, hat der Theologe Karl Rahner formuliert.
„Die Himmel werden, Herr, deine Wunder preisen und deine Treue in der Gemeinde der Heiligen. Sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln; sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein“, so heißt es im Eingangspsalm des Allerheiligen-Gottesdienstes.
Christian Feldmann