17. Juli 2019 Arnulf, Arnold

Weihnachten

Das größte Geschenk: Gott ist Mensch geworden

Manchmal bekommen wir Geschenke, von denen wir nicht einmal zu träumen wagten. So war das auch vor mehr als 2000 Jahren. Damals kam in einem Stall in Betlehem ein Kind zur Welt. Es war das größte Geschenk der Menschheit – dieses Kind war Gottes Sohn. Daran erinnern wir uns am Heiligen Abend und am 25. Dezember. Wir erinnern uns an die Geburt Jesu Christi

Foto: metmuseum.org/ Gift of Louis L. Lorillard, 1896, transferred from the Library

Wehe, die Hose unter dem Weihnachtsbaum ist nicht von der gewünschten Marke. Oder das brandneue Playstationgame findet sich nicht in den vielen Weihnachtspäckchen. Nirgendwo liegen Freude und Enttäuschung so nahe zusammen wie bei der Bescherung am Weihnachtsfest. Doch was wäre eigentlich, wenn jemand seinen eigenen, geliebten Sohn verschenken würde? Genau das nämlich ist vor mehr als 2000 Jahren in Israel passiert: Jesu Geburt war ein kostbares Geschenk Gottes. Mehr noch: Gott selber ist an diesem Tage in seinem Sohn Mensch geworden. So schreibt der Evangelist Johannes: „Und das Wort war Gott.“ Und er fährt fort: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Ein größeres Geschenk kann es niemals geben.

Was aber ist Jesus nach seiner Geburt? Mensch. Und Gott zugleich. Das ist das Besondere an unserem Glauben, das Konzil in Chalcedon (451) hat dazu ganz klar gesagt: Jesus Christus ist „wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch“. Warum ist das so wichtig? Nun zum einen natürlich für das rechte Verständnis von Jesus. Er ist eben nicht nur ein vorbildlicher Mensch oder charismatischer Prediger. Sondern Jesus ist Gottes Sohn. Zum anderen aber stellt Weihnachten durch die Menschwerdung Gottes eine entscheidende Zäsur in unserer Geschichte dar. Gott greift nicht nur in sie ein, das hat er beispielsweise bei der Errettung der Israeliten aus Ägypten auch schon getan. Nein: Gott wird selber Teil der Geschichte. Er nimmt mit der menschlichen Existenz auch die Leiden und Nöte des Menschseins auf sich. Er erleidet dieselben Probleme wie wir.

Das Geschenk besteht also darin, dass sich Gott radikal solidarisch mit uns zeigt – bis schließlich zur letzten Konsequenz und dem Tod am Kreuz. Weihnachten schmiedet die Verbindung zwischen Gott und den Menschen unüberbietbar fest. Gott sagt an Weihnachten zu uns: Ihr alle seid meine Kinder. Deshalb schenke ich euch meinen einzigen Sohn.

Es gibt ein schönes Beispiel für das Weihnachtswunder. Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern: „Ich bin der wahre Weinstock (...)“ (Joh 15,1). Ein Weinstock ist tief verwurzelt in der Erde – wie Jesus Christus auch. Gottes Sohn ist in die Erde eingepflanzt worden, er kann nicht mehr einfach herausgerissen werden. Er ist Teil dieser Erde. Und da Jesus Christus selbst „wahrhafter Gott“ ist, wurzelt Gott selber in der Erde. Gott selber ist wie ein Weinstock mit uns und der Erde verbunden. Den Anfang dieser unüberbietbar engen Verbindung feiern wir an Weihnachten. Gott ist Mensch geworden – das ist der Beginn einer neuen, einer segenreichen Zeit.

Hineinfeiern in Christi Geburt

Wann Jesus genau zur Welt kam, ist nicht bekannt. Allerdings haben neue Berechnungen ergeben, dass Gottes Sohn wohl eher zwischen 7 und 4 v. Chr. geboren wurde. Auch der Tag ist nicht ganz sicher, zu Beginn feierte die Kirche im März oder am 6. Januar Christi Geburtstag. Im 4. Jahrhundert begann sich das Fest auf den 25. Dezember zu verschieben, ehe Papst Liberius diesen Termin 354 in Rom endgültig festlegte. Allerdings dauerte es danach immer noch, bis sich das Datum auch in den anderen Gebieten durchsetzte. Die Synode von Mainz legte 813 dann eine viertägige Festzeit für Weihnachten um den 25. Dezember herum fest. Heute wird meistens schon am 24. Dezember, am Heiligen Abend, gefeiert. Das ist indes kein großer Tabubruch, gehörte doch traditionell der Abend immer noch zum nächsten Festtag dazu.

Simon Biallowons