21. November 2017 Johannes von Meißen

Palmsonntag

Hosianna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!

Was für ein Auftritt: Als Jesus in Jerusalem ankommt, scheinen alle auf ihn gewartet zu haben. Die Menschen jubeln ihm zu, sie preisen ihn als ihren Retter. Jesus aber weiß: Es wird nicht lange dauern, dann werden genau diese Menschen schreien: Kreuzige ihn! Am Palmsonntag beginnt die Karwoche. Und fünf Tage später muss Jesus sterben

An Palmsonntag wird des Einzugs Jesu auf einem Esel in die Stadt Jerusalem gedacht (Foto: Public Domain)

Der Palmsonntag ist ein seltsamer Tag. Auf der einen Seite herrschen Ausgelassenheit und Heiterkeit, als Jesus nach Jerusalem kommt. Die Quellen sagen, dass er auf einem Esel in die Stadt einzieht, während die Bewohner ihre Kleider auf der Straße als Teppich ausbreiten und Jesus mit Palmwedeln begrüßen. Ob Jesus wirklich so einen großen Auftritt feierte, darf aber bezweifelt werden. Wahrscheinlich hätten die Römer dies eher verhindert, schließlich mussten sie Konkurrenz befürchten. Die Bürger rufen Jesus nämlich immer wieder zu: „Hosianna“! Das war früher ein Klageruf und bedeutet soviel wie: „Errette uns! Hilf uns!“ Und damit war natürlich vor allem die Befreiung von der römischen Besatzung gemeint – und das hätten die sicher nicht so lustig gefunden.

Dabei kommt Jesus gar nicht wie der Messias. Der Messias war eine wichtige Gestalt im jüdischen Glaubensleben. Man stellte ihn sich als furchtlosen Feldherrn vor, der mit seinen Truppen die Römer in die Flucht schlägt. Jesus aber kommt ohne Soldaten, er reitet auf einem Esel, das Tier der Armen und Unterdrückten. Das ganze Auftreten ist Understatement und hat nichts von großen Posen. Warum auch? Schließlich weiß Jesus schon, dass er Jerusalem nie mehr verlassen wird. Er zieht mit dem sicheren Wissen in die Stadt ein, hier qualvoll sterben zu müssen. Und deshalb ist der Palmsonntag so spannungsgeladen. Noch jubeln die Menschen Jesus zu, noch sind sie voller Hoffnung. Doch in Wirklichkeit beginnt mit diesem Tag die Karwoche und damit das Leiden Christi. Erst an Ostern wird diese Spannung aufgehoben – mit der Auferstehung erfüllt Jesus die Hoffnung der Menschen.

Simon Biallowons