21. November 2017 Johannes von Meißen

FronleichnamDemonstration des Glaubens

Kein Fest im katholischen Kirchenjahr ist öffentlicher: An Fronleichnam ziehen prächtige Prozessionen mit der Monstranz, dem meist prächtigen Gefäß zur Ausstellung der geweihten Hostie, durch die Straßen. Die Gemeinde bekennt damit selbstbewusst ihren Glauben und zeigt: „Seht her, das ist unser Gott. Ihr alle seid von ihm eingeladen!“

(Foto: KNA)

Der Name „Fronleichnam“ kommt aus dem Althochdeutschen: „Fron“ bedeutet „Herr“, „liknam“ Leib. Es geht also an diesem Tag um den „Leib des Herrn“. Der Herr ist Jesus Christus. Deshalb lautet die offizielle Bezeichnung „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“.

„Leichnam“ ist dagegen eine etwas unglückliche Übersetzung. Denn es geht gerade nicht darum, dass wir etwas Lebloses anbeten. Sondern wir feiern, dass Jesus lebendig mitten unter uns ist. Wie kann er das sein? In der Eucharistiefeier verwandeln sich Brot und Wein durch Gottes Segen in Leib und Blut Christi. Diese Feier hat Jesus selbst am Gründonnerstag beim Letzten Abendmahl eingesetzt. An Fronleichnam feiern wir also die Eucharistie als Sakrament, das uns den Leib Christi gibt, und erinnern uns an Jesu Geschenk. Das Brot ist der lebendige Leib Christi.

Am „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ zeigen wir der Welt diesen lebendigen Gott. Bei der Prozession zieht die Gemeinde zusammen mit der geweihten Hostie in der Monstranz durch die Straßen. Die Kirche tritt damit hinaus in die Welt. Wenn auch oft die Kirche als „Haus Gottes“ bezeichnet wird, so zeigt sich an Fronleichnam ganz klar: Gott ist überall zu Hause. Gott versteckt sich nicht in einem Gebäude. Er will hinaus zu uns, zu seinen Kindern.

Zu laut für die Karwoche

Fronleichnam wird am ersten Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest und am zweiten nach Pfingsten gefeiert. Der Donnerstag verweist auf den Gründonnerstag, an dem Jesus das Letzte Abendmahl feierte und so die Eucharistiefeier stiftete. Allerdings wollte man am Gründonnerstag keine großen Prozessionen und laute Umzüge veranstalten, zu deplatziert wäre das in der stillen Karwoche gewesen. Aus diesem Grund findet Fronleichnam nach dem Osterfest statt. Papst Urban IV. setzte es 1264 als offizielles Kirchenfest ein. Doch schon zuvor gab es ein Fest zur Verehrung der Eucharistie: 1246 wurde auf eine Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich hin in Lüttich solch eine Feier begangen.

Simon Biallowons