28. März 2017 Guntram, Ingbert

Jana Highholder slammt über Gott

 

Die Poetry-Slammerin Jana Highholder erzählt sie unter anderem von ihrem Vertrauen in Gott.

„Gott trägt niemandem mehr auf, als man nicht gemeinsam tragen kann“, sagt Jana Highholder. „Ich versuche nicht zu fragen, warum etwas passiert, weil ich es nicht brauche.“ Gottes Plan mit ihr sei der beste, den sie sich vorstellen könne, auch wenn sie sich den Plan wiederum nicht immer konkret vorstellen kann. Sie ist 17 Jahre, hat gerade Abitur gemacht und sitzt jetzt, ihrer Meinung nach, in dem besten Café in Koblenz. Vor sich ein Stück Torte, sie hat es bisher kaum angerührt, sie spricht schnell. Ihre Hände fliegen vor ihrem Oberkörper hin und her, als zeichneten sie ihre Worte nach.

Poetry-Slammerin Jana Highholder in Koblenz.
Poetry-Slammerin Jana Highholder in Koblenz.
(Foto: Schnieders)

Als sie sechs war, erkrankte Jana an Leukämie. Voller Überzeugung habe sie damals zu ihrer Mutter gesagt: „Gott schleppt uns da durch.“ Sie wurde wieder gesund. Das bedingungslose Gottvertrauen, das sie als kleines Mädchen schon hatte, ist ihr als junger Frau geblieben. Die Krankheit, sagt sie, habe sie gezeichnet für das Leben, aber „im Sinne des Kunstwerkes Gottes“. Außerdem habe sie seit der Therapie Locken. „Locken! Ich hätte es schlechter treffen können!“, ruft sie und lacht über ihren Kuchenteller hinweg.

Poetry-Slam mit Alltagsszenen

Mittlerweile schreibt Jana über ihren Glauben, mal steht Gott dabei im Mittelpunkt ihrer Texte, oft beschreibt sie den Alltag und ihre Beobachtungen. Sie stellt sich mit ihren Texten, die eigentlich eher Gedichte sind, auf Bühnen und hat schon mehrere Poetry-Slams rund um ihre Heimatstadt Koblenz gewonnen. Auf solchen Wettstreiten präsentieren Künstler ihre selbstgeschriebenen Texte. Am Ende küren die Zuhörer dann einen Gewinner. Sie trat aber auch schon beim Bistum
Trier auf und beim Bundesjugendtreffen der Freien evangelischen Gemeinden. Einige ihrer Texte sind nun als Hörbuch erschienen.

In ihrem Text „Dein Kind“ (sehen Sie Ihren Auftritt beim BUJU FeG 2015 hier) schreibt sie: „Aus Leiden wurde Leben und das ist wunderbar. Ob ich weine oder lache, ich bin ihm immer nah. Und auch wenn ich‘s nicht immer denke, er ist immer da.“ Darin kommt sie zum Tragen, Janas Überzeugung von der bedingungslosen Liebe Gottes. Dieser Gedanke gibt ihr Zuversicht und Kraft für das Leben. „Selbst wenn es Gott nicht gäbe, hatte ich trotzdem ein behütetes Leben, das sinnerfüllt ist. Glauben macht für mich also auch rational Sinn!“, ruft sie aus. Und behütet habe sie sich immer gefühlt: „Ich hatte in keiner Situation das Gefühl, Gott hat mich verlassen.“

Jana Highholders schmaler Grat beim Poetry-Slam

Davon will sie anderen erzählen, auch deshalb stellt sie sich auf die Bühne. „Gott ist das Licht in mir, aber es ist nicht mein primäres Ziel, Gott zu bezeugen. Wenn man selbst was mit Gott zu tun hat, dann merkt man das in meinen Texten“, ist sie sich sicher. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sie wandelt: Zwar wollten auf Poetry-Slams die Leute eigentlich nicht nachdenken, sondern unterhalten werden. „Aber oft erreiche ich eben doch, dass sie ins Grübeln kommen.“

Sie schreibe über die Dinge, die ihr auf dem Herzen liegen, erzählt sie. Dinge, die sehr offensichtlich seien, über die man aber nicht gerne rede, etwa über den Tod. Kurz vor ihrem 17. Geburtstag schrieb sie „Was wenn?“ und fragt darin: „Wenn du morgen sterben würdest? Was dann?“ Sie versucht darauf Antworten zu finden: „Hätten wir dann noch Zeit zu hassen oder würden wir uns von Liebe leiten lassen? Ginge es uns dann noch um Ruhm auf Erden oder würde es uns reichen, von wenigen wirklich geliebt zu werden?“

Im Schreiben habe sie eines ihrer Talente entdeckt, erzählt Jana. Dabei habe sie lange gar nicht gewusst, was sie gut könne. Sie sei zwar gut in der Schule gewesen, aber das sei nicht gleichbedeutend mit einer Begabung. Vor ein paar Jahren habe sie dann festgestellt, dass „die Sprache mein Sprachrohr ist“. Ihre beste Freundin habe sie ermutigt, ihre Gedanken aufzuschreiben und damit auch bei Poetry-Slams aufzutreten.

Inspiration finde sie in Gesprächen mit Freunden, erzählt sie. Manchmal bewege sie etwas so, dass sie sich hinsetze und es aufschreibe. Block und Füller hat sie dafür oft dabei und kann sich zwischendurch Notizen machen. Sie versucht, sich generell auf den Moment einzulassen und nicht ständig das Handy zur Hand zu nehmen.

Gott in der Natur

In ihrem Text „Demaskiert/Dein Nachbar“ klingt das so: „In einer Welt, in der wir mit gesenktem Kopf – Blick aufs Smartphone – durch die Straßen hetzen, die Wichtigkeit der virtuellen Welt völlig überschätzen und immer weiter laufen, wahllos kaufen, ist keine Zeit, mal stehen zu bleiben.“

In ihre Kritik schließt sie sich selbst mit ein: „Man ist oft Teil von vier oder fünf Realitäten, aber von keiner richtig.“ Sich auf den Moment einzulassen, sei auch Übungssache. Kürzlich war sie mit Freunden im Urlaub. Sie saß am Strand und statt ein Foto vom Sonnenuntergang zu schießen, versuchte sie den Moment zu genießen. „Bei solch einem Anblick frage ich mich: Wie kann man Gott da verneinen?“

Poetry-Slammerin Jana Highholder liebt die Schönheit der Natur.
Poetry-Slammerin Jana Highholder liebt die Schönheit der Natur. (Foto: privat)

Da blitzt ihr Glaube und ihre Liebe zu Gott in etwas Alltäglichem hervor. Auch wenn man ihn nie ganz erfassen könne, wie Jana sagt. Dennoch: Sie will mit ihm wachsen und versuchen, seinen Plan mit ihr zu verwirklichen: Als Nächstes, indem sie beginnen möchte, Medizin zu studieren. Daneben will sie weiter mit ihren Texten Gottes Licht in die Welt tragen. Thomas Schnieders

 

Sehen Sie Jana Highholder mit Ihrem Text "Staffellauf" hier.

Bei Gerth Medien ist kürzlich Jana Highholders erstes Hörbuch "aufwärts - Poetry-Slam-Texte zwischen Himmel und Erde" erschienen.

 

Diese  Reportage erschien am 8. Mai 2016 in unseren Zeitschriften Liboriusblatt, Bayerisches Sonntagsblatt und Christliche Woche. Möchten Sie unsere Zeitschriften kostenlos und unverbindlich probelesen? Mehr Informationen erhalten Sie hier.