Im Dienst des Friedens

Die systematische Auslöschung der Juden sei ein frevlerischer Aufstand gegen Gott gewesen, sagte der evangelische Präses Lothar Kreyssig 1958. Er rief die Deutschen dazu auf, Gutes zu tun und begründete damit die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“. Heute ist daraus ein europäisches Austauschprogramm geworden: mit 180 Freiwilligen in ganz unterschiedlichen Projekten.

 

Ein Besuch bei „Asyl in der Kirche“ in Berlin und in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Neuengamme von Thomas Schnieders.

Olga Novikova (links) und Viktoriya Kutdusova sind so etwas wie Brieffreundinnen für
ehemalige Gefangene des Konzentrationslagers Neuengamme. (Foto: Schnieders)

 

An diesem Morgen bekommen Olga und Viktoriya Post an einen Toten. Post aus Russland, die in Deutschland abgeschickt worden war und nie ankam. Empfänger verstorben. Geschrieben hatte den Brief noch einer ihrer Vorgänger als Freiwilliger der Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg. Seit September versehen die beiden jungen Russinnen dort einen einjährigen Freiwilligendienst im Zusammenwirken mit der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ (ASF).

Brieffreundschaften

Zu ihren Aufgaben gehört es, mit ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers in Kontakt zu bleiben, ihnen zu schreiben, sie wissen zu lassen, dass man sie und das ihnen zugefügte Leid nicht vergisst. Olga und Viktoriya sind ein Jahr lang die Brieffreundinnen einstiger Häftlinge, von denen viele aus der ehemaligen Sowjetunion stammen.

Die Briefwechsel sind entstanden, nachdem nicht nur in Neuengamme die ersten Schreiben eingingen, die sich um die Entschädigung für begangenes Unrecht drehten. In erster Linie ging es darum, Nachweise für den Aufenthalt zu bekommen, doch man wollte als Gedenkstätte mehr leisten, erklärt Reimer Möller, der Leiter des Archivs. „Wir wollten die Brieffreundschaften beginnen lassen, damit die ehemaligen Häftlinge auch eine persönliche Beziehung zu Deutschland aufbauen.“

Olga und Viktoriya schreiben und bekommen die Briefe auf Russisch, sie übersetzen diese dann für das Archiv der Gedenkstätte. Viele Regale, mit vielen Aktenordnern, füllen diese Briefwechsel mittlerweile. Einige sind so intensiv, dass es mehrere Ordner nur mit den Briefen einer Person gibt.

„Man kann nie ganz verstehen, was sie durchgemacht haben“, sagt Olga auf Englisch. „Aber wir können sagen: Wir sind für euch da.“ Für menschliche Wärme und Zuneigung, für eine enge Umarmung, „to give you hugs“, soweit Stift und Papier es zulassen.

Zusätzlich erarbeiten die zwei jungen Frauen Führungen für Schulklassen, die die Gedenkstätte besuchen. Bislang war es nur eine russische Gruppe, die sie selbst über das Gelände im Hamburger Süden geführt haben, doch wenn sie sich sicherer in der deutschen Sprache fühlen, werden sie auch deutsche Gruppen begleiten. Außerdem arbeiten sie in der Bibliothek mit, lesen etwa russischsprachige Fachbücher und schreiben am Ende Zusammenfassungen, für diejenigen Kollegen, die Russisch nicht beherrschen.

Was man erreichen kann

Die Entscheidung, für ein Jahr nach Deutschland zu gehen, fiel bei beiden eher zufällig. Olga hat eigentlich Chemie studiert und will Medikamente entwickeln, die Menschen Heilung bringen. Doch das braucht einen langen Atem. Vorher will sie ein Jahr lang ganz konkret sehen, was sie erreichen kann. Für die Forschung bleibt der 22-Jährigen danach noch Zeit.

Viktoriya lernte in ihrer Heimatstadt Perm einen jungen Deutschen kennen. Dieser absolvierte dort einen Freiwilligendienst der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ – in der östlichsten Millionenstadt Europas, über 1.000 Kilometer Luftlinie von Moskau entfernt. Nachdem sie Kulturwissenschaften studiert hatte und später gerne in einem russischen Museum für Geschichte arbeiten möchte, reifte in ihr der Entschluss, ins Ausland zu gehen. In
erster Linie wollte sie gerne sehen, wie in Deutschland eine Gedenkstätte arbeitet. Deutsche gingen mit ihrer Geschichte ganz anders um, erzählt sie. Bei ihr zu Hause würde über die Vergangenheit oft nicht gesprochen.

„Aus unserer Geschichte wächst eine besondere
Verantwortung, unsere Stimme immer wieder gegen
Rechtsextremismus
und Antisemitismus zu erheben.“
Dagmar Pruin,
Geschäftsführerin "Aktion Sühnezeichen - Friedensdienste"
(Foto:ASF)

Gerade das aber will die „Aktion Sühnezeichen“ erreichen: Auf der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands in Berlin wurde 1958 der Gründungsaufruf verlesen. Vorangestellt war die Anerkennung der Schuld der nationalsozialistischen Verbrechen: „Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen von Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern.“

Präses Lothar Kreyssig, der den Aufruf damals verlas, hielt fest, dass es immer noch an Versöhnung in der Welt fehle. Er forderte die Deutschen dazu auf, in anderen Ländern „etwas Gutes“ zu tun, Kirchen aufzubauen, Krankenhäuser zu errichten – als „Versöhnungszeichen“. „Lasst uns mit Polen, Russland und Israel beginnen, denen wir wohl am meisten wehgetan haben.“

Eben diese Länder wurden gebeten, den Dienst „nicht als eine irgendwie beträchtliche Hilfe oder Wiedergutmachung, aber als Bitte um Vergebung und Frieden anzunehmen und zu helfen, dass der Dienst zustande kommt.“ Im Trend lag diese Idee damals nicht – im Nachkriegsdeutschland war man bemüht, die Gräueltaten und ihre Folgen zu vergessen.

Sühne leisten

Neben dem klassischen Wiederaufbau war von Anfang an auch der soziale Aspekt der Dienste wichtig. Alle der jährlich 180 Freiwilligen, die heute in 13 Ländern aktiv sind, begleiten etwa Überlebende des Holocaust im Alltag oder engagieren sich in antirassistischen Initiativen.

Das Wort Versöhnung möchte Dagmar Pruin, eine der beiden Geschäftsführerinnen der Organisation, nicht benutzen. Der Begriff Sühne sei sehr bewusst gewählt: „Wenn ich von Sühne spreche, dann rede ich von mir. Versöhnung ist eine Aktion von zweien miteinander. Der Begriff hat etwas Abschließendes.“

Enden wird diese Arbeit wohl nicht, auch wenn es immer wieder heiße, die Überlebenden des Zweiten Weltkrieges würden in naher Zukunft alle gestorben sein. „Noch leben sie aber! Lasst uns unsere Energie in die stecken, die da sind“, sagt Pruin bestimmt. Das Interesse junger Deutscher, gerade nach Israel zu gehen, sei immer noch sehr hoch, berichtet sie.

Die Mischung aus politischer Bildungsarbeit und sozialem Einsatz ist aus ihrer Sicht etwas, was viele junge Menschen anspricht. „Es ist auch schön zu sehen, wie sich junge Leute für Geschichte interessieren und sich darüber austauschen.“ Letzteres soll durch eine begleitende Seminarstruktur gesichert werden: Im Laufes eines Jahres besuchen die Freiwilligen gemeinsam Seminare, sie sollen dort auch voneinander lernen.

„Aus unserer Geschichte wächst eine besondere Verantwortung, unsere Stimme immer wieder gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu erheben und uns mit konkreten Taten für eine offenere, inklusive Gesellschaft einzusetzen“, führt Pruin weiter aus. „Wir haben viele Flüchtlingsprojekte. Der Schutz von Minderheiten, von Homosexuellen, von Sinti und Roma ist uns sehr wichtig.“

Eines dieser Projekte, mit denen die Organisation „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ (ASF) zusammearbeitet, ist nicht weit entfernt von der Bundesgeschäftsstelle, in der Pruin arbeitet, und wo in einer ruhigen Seitenstraße der Berliner Stadtmitte so gemütlich die Heizung in der Bibliothek vor sich hin bollert. Zu Fuß sind es von hier etwa sechs Minuten bis zur schillernden Welt des Friedrichstadtpalastes mit seinen bunten Revuen.

Soziales Engagement ist Tatiana Ovechkina im Moment
wichtiger als eine steile Karriere. (Foto: Schnieders)

Weitere sechs Minuten U-Bahn-Fahrt entfernt, liegt die Heilig-Kreuz-Kirche. Hier an der vierspurigen Straße ist vom touristischen, angesagten Berlin nicht mehr viel übrig. Oben unter dem Kirchendach hat die „Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche“ ihren Sitz. Und wenn es im Winter zwischen den Kirchenmauern nicht richtig warm wird, muss umso mehr noch die menschliche Wärme den eisigen Berliner Wind vergessen machen.

Hier arbeitet Tatiana seit Anfang September und kümmert sich um Menschen, die oft einfach nichts mehr haben. Die neue Heimat will sie nicht, und in die alte Heimat wollen oder können sie nicht zurück. Der Verein, bei dem die 21-Jährige ihren Freiwilligendienst macht, berät Menschen, deren Asylantrag abgelehnt worden ist.

Bestehen Zweifel, dass der Bescheid korrekt ist, suchen sie nach Möglichkeiten, eine Abschiebung zu verhindern. Eine Möglichkeit kann dabei das Asyl in einer Kirche oder in deren Räumen sein. 459 Personen befanden sich kurz vor Weihnachten deutschlandweit in 291 Kirchenasylen.

Menschenrechte

Nachdem Tatiana in Russland Germanistik und in Berlin deutsche Literatur studiert hat, sei es für sie an der Zeit gewesen, noch andere Erfahrungen zu sammeln, wie sie sagt. „Soziale Arbeit und soziales Engagement sind im Moment wichtiger für mich.“ Vor zwei Jahren hatte sie ein Praktikum direkt in der ASF-Geschäftsstelle gemacht und konnte sich vorstellen, für den Freiwilligendienst zurückzukehren. Momentan, wo Hunderttausende nach Europa fliehen und viele von „Krise“ sprechen, sei es ihr ein Anliegen, einen Beitrag zu leisten. In ihrem Fall wird der Dienst sogar über das Freiwilligenprogramm der Europäischen Union durch das Programm „Erasmus+“ finanziert.

Gerade das Kirchenasyl findet sie „total wichtig, weil es eine zusätzliche Möglichkeit für Menschen ist, die in der Gefahr sind, abgeschoben zu werden“. Es gründe auf christlichen Werten, Menschen zu helfen und zu unterstützen. „Eigentlich ist das säkular“, sagt sie nachdenklich. „Denn christliche Werte sind mehr als Religion, sie sind der Grund für die Menschenrechte“, und fügt energisch hinzu: „Flüchtlinge flüchten nicht vor einem guten Leben, die brauchen Hilfe.“

Diese Hilfe versucht sie mitzuorganisieren. „Asyl in der Kirche“ betreut dabei nicht eigenständig Kirchenasyle, sondern berät Kirchengemeinden, die diese Aufgabe wahrnehmen möchten. Vor einigen Tagen sei eine Gruppe von Vikaren bei ihr gewesen, denen sie von dieser besonderen Form der Flüchtlingshilfe berichtet hat. Sie beantwortet außerdem Anfragen am Telefon und per E-Mail, sie gibt Deutschunterricht.

In ihrer Freizeit begleitet sie einen jungen Tschetschenen, der aus dem Krieg kommt, zu einer Traumatherapie. Auch die Therapeutin macht das ehrenamtlich, am Sonntag. „Man fühlt, das man was machen kann und dann macht man das.“ Wenn Tatiana das sagt, entsteht der Eindruck, als verwische Freiwilligendienst und Privatleben. Doch das sei nicht so: Sie mache auch gerne, was man mit 21 eben so macht: Freunde treffen, Partys feiern, das Leben genießen.

Wie bei vielen Freiwilligen, besteht auch Tatianas Friedensdienst aus zwei Teilen: Drei Tage arbeitet sie für „Asyl in der Kirche“, an den beiden übrigen Arbeitstagen unterstützt sie Menschen in der jüdischen Gemeinde der Stadt. Sie hilft beim Einkaufen oder sie geht zum Teetrinken vorbei. „Ich finde es toll, wenn man sich mit Älteren unterhält, man bekommt Lebenserfahrung weitergegeben“, erklärt sie.

Wo komme ich her?

Wie bei jedem Freiwilligendienst für junge Menschen sollen diese auch in ihrer Persönlichkeit reifen und ihren Horizont erweitern. „Uns ist es wichtig, im sozialen Bereich zu arbeiten. Das sind klassische Friedensdienste“, erklärt Dagmar Pruin, die Geschäftsführerin der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“. „Bei den Bewerbern schauen wir, inwiefern sich jemand mit uns auf die Reise begeben möchte“, ergänzt sie. In den Seminaren werde etwa immer auch familienbiografisch gearbeitet. Dabei gehe es darum, dass jeder nachspüre, wo er eigentlich herkomme.

Olga und Viktoriya auf den Fundamenten des Arrestbunkers
in Neuengamme. Das Schicksal der ehemaligen Gefangenen
berührt sie. (Foto: Schnieders)

Wie sehr sich manche Menschen abschotten, haben Olga und Viktoriya, die ihren Friedensdienst im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme leisten, bei ihren Landsleuten schon erlebt. Es gebe Anstecker mit patriotischen Sprüchen, die sich einige auf die Brust hefteten. „Viele Menschen lachen über rassistische Witze und werden dann nachdenklich, wenn man ihnen sagt, das uns genau das schon einmal ans Limit gebracht hat.“

Viktoriya denkt dabei daran, was ihre Großmutter von ihrem eigenen Großvater erzählt hat: Er selbst sei in einem Lager eingesperrt gewesen. Fast 100 Jahre ist es her, als die Kommunisten nach der Revolution begannen, Jagd zu machen, auf Menschen, die ihre Meinung nicht teilten. „Ohne Grund wurden sie kriminalisiert“, erklärt die 21-Jährige. Ihre Großmutter habe trotzdem nicht verstanden, warum sie ausgerechnet nach Deutschland gehen wollte. „Ich habe gesagt, das ist einmal passiert und zweimal passiert, das kann immer wieder passieren.“ Dann habe ihre Großmutter verstanden, warum ihr dieser Dienst so wichtig ist.

Wenn die beiden jungen Frauen das Gelände der KZ-Gedenkstätte überqueren oder eine Gruppe darüber führen, klacken erst die Absätze hart auf dem Boden des Appellplatzes, dann geht der feste Untergrund in Schotter über. „Man wollte den beschwerlichen Weg der Häftlinge nachempfindbar machen“, erklärt Olga auf dem Weg vom Eingang auf die andere Seite des Geländes. Dort glänzt im strahlenden Sonnenschein etwas, das aussieht, wie ein Schutzhäuschen für wartende Schulklassen auf Besichtigungstour. Doch hier hat man die Überreste des alten Arrestbunkers freigelegt. Im Gedenken an die Toten sind hier Blumen abgelegt, Kerzen brennen.

Das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg
ist heute eine Gedenkstätte. (Foto: Schnieders)

Bis Kriegsende sollen im Konzentrationslager Neuengamme mindestens 42.900 Menschen getötet worden sein, allein Ende November 1942 wurden 251 sowjetische Gefangene vergast. Von Dezember 1938 bis April 1945 waren in dem Lager südlich von Hamburg fast 100.000 Menschen inhaftiert. Ursprünglich war es für Menschen aus Deutschland geplant, etwa „Kriminelle“, „Asoziale“, Homosexuelle oder Zeugen Jehovas, im Kriegsverlauf deportierten Gestapo und „Sicherheitsdienst“ Zehntausende aus den besetzen Ländern hierher, die meis-ten aus Polen und der Sowjetunion.

Die Ausstellung der Gedenkstätte versucht einige der Schicksale zu zeigen. Immer wieder sind Olga und Viktoriya bewegt von dem Einsatz des deutschen Häftlings Fritz Bringmann. Als Kommunist wurde er 1936 in sogenannte Schutzhaft genommen und erfüllte in Neuengamme ab 1941 die Rolle eines Funktionshäftlings. Im Krankenlager war er als Sanitäter eingesetzt und bekam den Befehl, nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge mittels einer Injektion zu töten. Er lehnte dies kategorisch ab.

Als die verbliebenen sowjetischen Gefangenen später in ein anderes Lager gebracht wurden, übergaben sie ihm eine heimlich angefertigte Schnitzarbeit. Dieses kunstvolle Werk und den Dankesbrief zeigen die beiden jungen Frauen allen ihren Besuchern. So sehr sie diese Freundschaftsgeste in Kriegszeiten bewegt, hoffen sie, dass auch andere ins Grübeln kommen.

In der Berliner Heilig-
Kreuz-Kirche hat
"Asyl in der Kirche"
seine Büros.
(Foto: Schnieders)

Auch Tatiana pflichtet in Berlin bei: Die ersten Wochen im Friedensdienst hätten sie bereits verändert. „Es klingt banal, aber es erweitert die Gedanken.“ Ein Gedanke, den Präses Lothar Kreyssig 1958 in seinem Gründungsaufruf zwischen den Zeilen formulierte, als er „Versöhnungszeichen“ forderte und um Frieden bat. Der Austausch ist heute so gut angenommen, dass junge Leute aus anderen Ländern gerne nach Deutschland kommen möchten, um zu leben und zu lernen. „Vielleicht hätte sich unser Gründer das nicht gedacht“, sagt ASF-Geschäftsführerin Dagmar Pruin.

Heute verliert ihre friedensstiftende Aufgabe nicht an Bedeutung. Gerade, weil sich im vergangenen Jahr allein in Nordrhein-Westfalen die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im Vergleich zu 2013 verachtfacht haben. „Der Schlüssel dazu, Ängste abzubauen, ist Begegnung“, sagt Pruin. Zur besseren Verständigung seien es aber viele kleine Schritte. Dazu gibt es neben den 180 Freiwilligen in jedem Jahr noch 25 Sommerlager, 300 junge Menschen nehmen daran teil. „Man kann etwas machen“, sagt Tatiana in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche. „Wir sind doch alle Menschen und haben fast alle dieselben Werte.“

 

Stichwort

Die Aktion Sühnezeichen wurde 1958 gegründet. Sie setzt sich seitdem für die Wiedergutmachung der NS-Verbrechen ein und entsendet jedes Jahr 180 junge Freiwillige in derzeit 13 Länder, darunter Frankreich, Polen und Israel. Die Freiwilligen betreuen zudem oft behinderte oder sozial benachteiligte Menschen oder arbeiten in Antirassismusprojekten. „Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unermessliches Leid der Menschheit verschuldet“, heißt es im Gründungsaufruf der Organisation. 

Nach dem Mauerbau 1961 entstanden in West- und Ostdeutschland zwei eigenständige Organisationen. In der DDR organisierte man zweiwöchige Sommerlager, in der Bundesrepublik längere Auslandseinsätze.Erst seit 1991 sind die Zweige wiedervereint. Inzwischen kommen auch viele ausländische Jugendliche nach Deutschland, um einen Friedensdienst zu absolvieren.

 

https://www.asf-ev.de/de/startseite.html

(24.03.2016)

 Dieser Artikel erschien am 27.03.2016 in unseren Zeitschriften Liboriusblatt, Bayerisches Sonntagsblatt und Christliche Woche. Möchten Sie unsere Zeitschriften kostenlos und unverbindlich probelesen? Mehr Informationen erhalten Sie hier.