28. März 2017 Guntram, Ingbert

Reformator und Glaubenskrieger

Huldrych Zwingli war Zürichs erster und einflussreichster Reformator im 16. Jahrhundert. Für seine Überzeugung zog er sogar mit dem Schwert ins Feld. Aus Zwinglis Umfeld entstanden auch die Schweizer Täufer, deren erbitterter Wiedersacher er jedoch wurde und für sie die Todesstrafe forderte.

Huldrych Zwingli (1484 - 1531) legte sich mit Martin Luther und sogar dem Papst an. Trotzdem setzte er in Zürich seine reformatorischen Vorstellungen in die Tat um. (Foto: IMAGO)Huldrych Zwingli wurde am 1. Januar 1484 in Wildhaus geboren. Sein Geburtshaus ist dort noch heute zu besichtigen. Sein Vater konnte ihm als reicher Bauer eine gute Bildung finanzieren. Zwingli verließ mit bereits 10 Jahren sein Elternhaus und ging in Bern und Basel auf die Lateinschule. Er bildete sich musikalisch weiter und studierte in Wien und Basel Philosophie und Theologie. Bereits vor seinem eigentlichen Theologiestudium trat er eine Pfarrstelle in Glarus an, nachdem er die Priesterweihe empfangen hatte.

Über die nächsten 10 Jahre sammelte er philosophisches und theologisches Wissen. Für seinen Glauben zog Zwingli auch ins Feld, zunächst als Feldprediger. Als solcher begleitete er zweimal Schweizer Söldnerheere nach Italien im Krieg gegen Frankreich. Die Erlebnisse der Schlachten – vor allem das Verhalten der Söldnertruppen – müssen ihn jedoch dermaßen schockiert haben, dass er zum entschlossenen Gegner des Söldnertums wurde und sich zunächst für pazifistische Gedanken öffnete.

1516 wurde Zwingli aufgrund seiner theologischen und philosophischen Kennnisse als Leutpriester in das berühmte Kloster Maria-Einsiedlen – dem heutigen Wallfahrstort – berufen. Im Januar 1519 trat er sein Amt als Leutpriester am Grossmünster in Zürich an.

Das Denkmal Huldrych Zwinglis vor der Wasserkirche in Zürich. (Foto: IMAGO)

Zum Protest ne Wurst

In Zürich brach Zwingli zunehmend mit der katholischen Kirchenleitung und radikalisierte seine Ansichten. Er predigte gegen die Verehrung von Bildern, Reliquien und Heiligen, engagierte sich gegen den Zölibat und die Eucharistie. Den Höhepunkt erreichte sein Prostest, als er das Fastengebot gemeinsam mit anderen demonstrativ mit einem ausgelassenen Wurstessen brach. Sein Verhalten erregte den Zorn Papst Hadrians VI., der ihm Kanzelverbot erteilte und den Rat Zürichs aufforderte, den Priester als Ketzer zu ächten.

Auf Einladung des Zürcher Rates kam es zur Ersten Disputation. Bis zum Januar 1524 fanden drei Disputationen statt, in denen der Rat Zwingli jedoch immer zum Sieger ernannte und so den Weg zur Verbreitung der Reformation in der Schwitz ebnete. Auf den Zusammentreffen wurde sowohl die Abschaffung der Bilder in Kirchen, als auch die Abschaffung der Messe beschlossen. Der Züricher Rat sprach Zwingli mitunter auch deswegen die Siege zu, da man von Zwinglis Rückhalt in der Bevölkerung wusste.

Seine Predigten hatten großen Einfluss auf die Bevölkerung. Bis heute trennt die Abschaffung der katholischen Messe maßgeblich die katholische und die reformierte Kirche. Das kirchliche Leben in Zürich wurde umgestellt. Zu dieser Zeit kam es aber auch zur Auseinandersetzung Zwinglis mit alten Weggefährten von ihm.

Am Großmünster in Zürich begann Zwingli sein Amt als Leutpriester. Hier radikalisierte er auch seine Ansichten zur Reformation. (Foto: IMAGO)

Der Täufergegner

Ein Kreis alter Weggefährten – vor allem um Felix Mantz und Konrad Grebel – hatte allerdings noch radikalere Ansichten als Zwingli angenommen. Die so genannten „Täufer“ forderten die Abschaffung der Kindertaufe und ein abgeschiedenes Leben der Gläubigen, sowie eine klare Trennung von Staat und Kirche. Damit machten sie sich die Katholiken aber auch die Reformierten zu Feinden. Vor allem über die Forderung der Erwachsenentaufe zerstritten sich die Parteien um Zwingli und die Täufer unversöhnbar.

Am 07. März 1526 bestimmte der Züricher Rat, dass, wer selbst die Erwachsenentaufe – nach Auffassung der Gegner also die „Wiedertaufe“ – vollziehe oder an dem Glauben festhalte, fortan ohne Gnade ertränkt werden solle. Dieser Beschluss wurde auch auf das Drängen Zwinglis hin so schnell durchgeführt. Zwingli selbst belegte die Täufer mit dem herablassend gemeinten Namen „Wiedertäufer“. Er verwehrte seinen alten Mitstreiten Zuflucht, als diese Verfolgt wurden. Sein Verhalten im Bezug auf die Täufer wird als größte Schattenseite seines Wirkens betrachtet.

Tod auf dem Schlachtfeld

Zwingli hielt daran fest, die evangelische Predigt überall durchzusetzen. Dafür nahm er auch einen Krieg gegen die Innerschweiz in Kauf. 1529 mündete diese Haltung in einen offenen Bürgerkrieg, dem sogenannten Ersten Kappeler Krieg. Als die Reformierten die Innerschweizer mit einer Proviantsperre unter Druck setzten, marschierten diese gegen Zürich.

Im 2. Kappeler Krieg beim Kloster Kappel wurden die Truppen, denen Zwingli angehörte, vernichtend geschlagen. Zwingli starb während der Kampfhandlungen. Seine Leiche wurde gevierteilt und verbrannt. Er war für seinen Glauben in den Krieg gezogen und gestorben. Die Ausbreitung der Reformation wurde durch den 2. Kappeler Krieg beendet. In zweiter Generation wurden Zwinglis theologischen Bestrebungen von Heinrich Bullinger und Johannes Calvin fortgeführt. Nicht selten wird Bullinger heute als eigentlicher Begründer der reformierten Kirche gesehen, auch wenn Zwingli der Initiator gewesen ist.