28. März 2017 Guntram, Ingbert

Wo hat der Papst das Sagen?

Auch wenn Papst Franziskus nicht als Staatsoberhaupt angesehen werden will und seinen vatikanischen Diplomatenpass nur höchst ungern verwendet – als Papst ist er nicht nur Kirchen- sondern eben auch Staatschef.

Der Staat Vatikanstadt ist eine Enklave im Stadtgebiet von Rom (Foto: IMAGO)Der Vatikan, oder besser der Staat Vatikanstadt, ist eine absolute Wahlmonarchie. Das Staatsoberhaupt, der Papst, wird von den Kardinälen gewählt. Der Heilige Stuhl als nichtstaatliches, eigenständiges, vom Staat Vatikanstadt zu unterscheidendes Völkerrechtssubjekt vertritt den Zwergstaat auf internationaler Ebene. Der Vatikan ist gegenwärtig der kleinste allgemein anerkannte Staat der Welt.

Dies war in der Vergangenheit mal ganz anders. Seit der Pippinischen Schenkung 756 stand fast ganz Mittelitalien jahrhundertelang unter der weltlichen Herrschaft des Papstes. Der Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Preußen 1870 führt dazu, dass Frankreich seine Schutztruppen aus Rom abzieht. In der Folge erobern italienische Soldaten den Kirchenstaat und am 20. September des selben Jahres wird Rom eingenommen.

Eine Volksabstimmung in den einzelnen Regionen Italiens bringt eine klare Mehrheit für die Vereinigung des Kirchenstaats mit Italien. Am 6. Oktober 1870 wird der Zusammenschluss per Dekret vom italienischen König Viktor Emanuel II. proklamiert. Fortan sind die Päpste für nicht nächsten rund 60 Jahre im Vatikan isoliert. Erst mit den Lateranverträgen 1929 und der Beendigung der „Römischen Frage“ wird die staatliche Souveränität des Vatikans als weltlicher Sitz des Papstes wiederhergestellt und durch die italienische Regierung anerkannt.

Ausweitung des Kirchenstaates von 756 bis 1870 (Foto: Landeszentrale für Politische Bildung Brandenburg)Das Staatsgebiet erstreckt sich auf eine Fläche von 0,44 Quadratkilometern inmitten des römischen Stadtgebiets und umfasst den durch eine Mauer umfriedeten Vatikanischen Hügel und den Petersplatz. Daneben befinden sich Gebäude und Grundstücke außerhalb der Mauern im exterritorialen Besitz des Heiligen Stuhls. Diese sind jedoch nicht Teil des vatikanischen Staatsgebietes.

Dazu zählen neben den päpstlichen Besitzungen in Castel Gandolfo die Patriarchalbasiliken Santa Maria Maggiore, San Giovanni in Laterano und San Paolo fuori le Mura sowie weitere Gebäude. Außerdem ist jede Kirche innerhalb Italiens, in der der Papst religiöse Zeremonien durchführt, während dieses Zeitraums exterritorial. Der Status der exterritorialen Gebiete ist mit dem von ausländischen diplomatischen Vertretungen vergleichbar. Hier gilt das vatikanische Rechtssystem, und die polizeiliche Aufsicht liegt bei der vatikanischen Gendarmerie.

Da sich die stadtplanerischen Anforderungen der Städte Rom und Castel Gandolfo und die Bedürfnisse des Heiligen Stuhls in den letzten 85 Jahren verändert haben, kam es schon mehrmals zum Tausch einzelner Gebäude und zu kleineren Korrekturen im Grenzverlauf. So wurde etwa im Jahr 1979 der Palazzo della Dataria beim Quirinalspalast dem italienischen Staat übertragen, der im Gegenzug den Palazzo Pio an der Via della Conciliazione an den Heiligen Stuhl abtrat.