28. März 2017 Guntram, Ingbert

Wie funktioniert die Heiligsprechung?

Das Verfahren der Heiligsprechung ist in der katholischen Kirche streng geregelt und kann sich mitunter über mehrere Hundert Jahre hinziehen. Wer hat ein Anrecht darauf heilig gesprochen zu werden? Wie läuft der Prozess der Heiligsprechung ab und worin besteht der Unterschied zur Seligsprechung?

Die jüngste Heiligsprechung in Rom fand am Sonntag den 27. April statt. Neue Heilige sind Papst Johannes XXIII. und Papst Johanns Paul II. (Foto: Imago)

Wunder gibt es immer wieder

Zumindest in der Theorie kann jeder heiliggesprochen werden. Dafür muss zunächst der häufig langwierige Prozess der Seligsprechung durchlaufen werden. Der wird angestoßen, indem eine Diözese oder Ordensgemeinschaft einen entsprechenden Antrag beim Heiligen Stuhl stellt. Zu diesem Zweck holt der Antragsteller (lat.: actor) eine Unbedenklichkeitserklärung für die Person ein. Fällt diese positiv aus, beauftragt er einen Förderer (lat.: postulator), biografische Informationen, Schriften der Person sowie schriftliche und mündliche Zeugnisse von Zeitgenossen zusammenzutragen. Darüber hinaus ist in einem getrennten Verfahren zu belegen, dass sich auf die Fürsprache des Seligen zurückzuführende Wunder ereignet haben. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Ist der Kandidat den Märtyrertod gestorben, ist kein Wunder nötig, um ihn seligzusprechen.

Heilig oder nicht heilig?

Die zusammengetragenen Unterlagen werden der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan zur Prüfung vorgelegt. Diese Instanz gehören der Kardinalpräfekt, 16 Kardinäle, sechs Erzbischöfe und acht Bischöfe sowie weitere vom Papst berufene Berater an. Falls es sich um eine historisch bedeutsame Person handelt, werden zusätzlich Historiker konsultiert. War die Person kein Märtyrer, muss zusätzlich ein Wunder vorliegen. In letzter Ins­tanz muss schließlich ein Kirchenanwalt die zusammengetragenen Belege und Argumente kontrollieren. Stimmt die Kongregation mindestens mit Zweidrittelmehrheit für die Heiligsprechung, wird dem Papst eine Empfehlung ausgesprochen. Dem Pontifex obliegt die letzte Entscheidung. Er nimmt auch die Heiligsprechung im Rahmen einer liturgischen Feier vor, meist einer Heiligen Messe mit Eucharistiefeier, vor.

Von selig zu heilig

Der Heiligsprechung geht für gewöhnlich die Seligsprechung voraus. Selige Personen sind solche, denen die römisch-katholische Kirche zuschreibt, sie seien nach ihrem Tod in die ewige Anschauung Gottes gelangt. Liturgisch hat eine Seligsprechung die Konsequenz, dass fortan nicht mehr für den Betreffenden, sondern mit ihm gebetet werden kann. Ist das aufwendige Verfahren der Seligsprechung abgeschlossen, kann die Person öffentlich verehrt und um ihre Fürbitte bei Gott angerufen (nicht angebetet!) werden. Dabei besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen selig und heilig In der Regionalität. So darf ein Seliggesprochener nur beschränkt auf ein bestimmtes Land, ein Bistum oder eine Gemeinschaft, eben dort, wo die Seligsprechung initiiert wurde, angerufen werden. Ein Heiliger dagegen darf in der gesamten Weltkirche von den Gläubigen angerufen werden.