„Ich bin bereit“

Junge Männer liegen ausgestreckt auf dem Bauch. Sie tragen lange Gewänder und haben die Stirn auf den Boden gepresst. Dieses Bild kennt fast jeder. Es ist die bekannteste Szene aus einer eindrucksvollen Zeremonie: die Priesterweihe. Allerdings gilt das Sakrament der Weihe nicht nur für Priester, sondern ist unverzichtbarer Bestandteil des kirchlichen Lebens.

Die Priesterweihe ist eine der drei Abstufungen des Weihesakramentes (Foto: KNA)Die Gewänder der vier jungen Männer rascheln leise. Aufgeregt, angespannt wirken die vier. Mehrere Jahre lang haben sie gewartet. Gewartet auf diesen Tag. Jeden Satz kennen sie auswendig. Natürlich auch diesen: „Seid ihr bereit, den Armen und Kranken beizustehen, Heimatlosen und Notleidenden zu helfen?“ Jeder der vier antwortet: „Ich bin bereit.“ Das „bereit“ klingt unfassbar entschlossen. Allen ist klar: Die meinen es ernst. Ernst mit ihrer Bereitschaft, Armen beizustehen und Notleidenden zu helfen. Ernst mit dem, worauf sie die vergangenen Jahre gewartet haben. Ernst mit ihrer Weihe zum Priester. Das Weihesakrament hat drei Abstufungen, die Priesterweihe ist eine davon. Die Abstufungen sind: Bischof, Priester und. Die Weihe wird, wie die Ehe auch, als „Standessakrament“ bezeichnet. Zu Beginn einer Weihe werden die Kandidaten aufgerufen und antworten: „Hier bin ich“ (lateinisch: „adsum“). Das „ad sum“ ist mehr als nur eine Absichtserklärung, den priesterlichen Dienst zu versehen. Es drückt die Verpflichtung aus, von der eigenen Gemeinde hinaus in die Kirche zu treten. Der Dienst an Gott und den Mitmenschen fordert dazu auf, sich der Öffentlichkeit zu stellen und freimütig zu seiner Berufung zu stehen. Nun ist das kein exklusives Charakteristikum eines Geweihten. Jeder Gläubige sollte selbstbewusst seinen Glauben bekennen. Und doch besteht ein Unterschied. Die Weihe sorgt für die „Ausdifferenzierung des Gottesvolkes“. Das heißt: Der Geweihte nimmt eine besondere Stellung, einen besonderen Stand ein. Das bedeutet nicht, dass der Laie untertänig und scheu zum Geweihten aufblicken muss. Vielmehr nimmt diese Stellung besonders den Geweihten in die Pflicht. Er steht in einer wichtigen Verantwortung: Der Geweihte muss die christliche Botschaft weitergeben und die Sakramente spenden. Und er steht in der Pflicht, die Gläubigen durch Worte und Taten zu leiten. Die Verantwortung, die die Weihe mit sich bringt, ist groß.
Wir erkennen dabei einen wesentlichen Unterschied: Während die Taufe oder Krankensalbung dem Empfänger persönlich „Nutzen“ bringen, ist das bei der Weihe anders. Die Weihe dagegen versetzt den Sakramentempfänger in die Lage, anderen zu nutzen. Es ist also ein Sakrament, das in erster Linie in der Beziehung zum Mitmenschen seinen Sinn findet. Der Geweihte ist dabei insofern betroffen, als dass er die Gnade erfährt, zu diesem Dienst am Mitmenschen oder der ganzen Kirche berufen zu sein. Dieser Gnade muss er sich natürlich auch würdig erweisen, oft genug eine schwere und fordernde Aufgabe. Und dann zeigt sich, ob die jungen Männer wirklich bereit waren. Simon Biallowons