28. März 2017 Guntram, Ingbert

Allerseelen

„Gemeinschaft über den Tod hinaus“

Oft vermissen wir unsere Verstorbenen sehr. Wir fühlen uns einsam, alleine zurückgelassen. Dabei haben wir eine ständige Verbindung zu unseren Toten: den christlichen Glauben. An Allerseelen zeigt sich diese feste Gemeinschaft ganz deutlich, wenn wir die Gräber unserer Verstorbenen besuchen und für ihr Seelenheil beten

(Foto: DPA)

Am 1. November wird an den Gräbern das Seelenlicht aufgestellt. Dieses Licht bleibt auch noch am nächsten Tag stehen, denn dann feiern wir „Allerseelen“. Der 2. November ist ein Tag des Gedächtnisses und wird schon an Allerheiligen eingeleitet. Denn das Aufstellen des „Seelenlichtes“ ist ja eine Geste für die Verstorbenen. Die Gräber werden gesäubert und mit Kränzen und Zweigen, manchmal auch Bildern dekoriert. Diese Zeichen der Ehrerbietung für die „Alten“ sind den Menschen aller Zeitalter heilig. Das Gedächtnis der Verstorbenen kann mit der Familie beim Spaziergang, aber auch ganz alleine am Grab eines teuren Menschen stattfinden. Wir sind an Allerseelen ganz nahe bei unseren Toten – und sie bei uns. Im Zentrum steht eine „aktive“ Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen.

Die Eltern schenkten ihren Kindern mit der Geburt das Leben hier auf Erden. Der Nachwuchs kann sich nun revanchieren und den verstorbenen Eltern alles zurückgeben – und noch mehr: Am 2. November winkt nach einem alten Glauben der Kirche den Verstorbenen das ewige Leben bei Gott. An Allerseelen, so die Vorstellung, können die Lebenden den Seelen mit Gebeten, Fürbitten und Messen bei ihrer Läuterung beistehen. Gemeint sind damit die Seelen, die sich noch im Fegefeuer befinden und auf die Aufnahme in den ewigen Himmel warten. Deshalb hat am 2. November der Allerseelenablass – mit ihm kann eine vollständige Entlastung der Verstorbenen erreicht werden – einen ganz besonderen Stellenwert.
Für unsere Toten wird ein gutes Wort eingelegt. Denn für uns Christen gilt eben nicht: aus den Augen, aus dem Sinn. Auch wenn sie nicht mehr unter uns sind, so sind wir doch immer noch auf unsere Verstorbenen bezogen. So hat der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bemerkt, dass unsere Toten ja immer noch zur Gemeinschaft der Gläubigen gehören. An Allerseelen dürfen wir also erkennen: Der Glaube an Gott und die Kirche verbindet uns alle zu einer festen Gemeinschaft – auch weit über den Tod hinaus.

„Treue zu den Toten“

Schon immer gedachten die Menschen ihrer Toten. Doch 998 legte Odilo von Cluny für sie ein konkretes Fest am 2. November fest. Das besondere war, dass die Priester an diesem Tag bis zu drei Messen feiern durften. Seit 1915 gilt der 2. September für die ganze Kirche als Tag der Verstorbenen.

Simon Biallowons