28. März 2017 Guntram, Ingbert

Erntedank

Live Aid

„Shrimps satt“, „All inclusive“ „Zwei essen, einer zahlt“: Für die meisten von uns ist es selbstverständlich, genügend und gut essen zu können. Das war nicht immer so. Früher mussten die Menschen oft um ihre Ernte zittern, ihre Gebete an Gott waren dann umso drängender. Daran erinnert uns heute das Erntedankfest. Und daran, dass für viele Menschen in anderen Ländern das Zittern weitergeht

(Foto: KNA)

Essen macht Spaß. Es ist auch absolut nichts Schlimmes daran, es sich gut gehen zu lassen. Man braucht nicht bei jedem Bissen an hungernde Kinder zu denken. Doch es gibt Anlässe, da sind solche Gedanken auf jeden Fall angebracht. Bei uns Christen ist der wichtigste Anlass das Erntedankfest. An diesem Tag ist die Zeit, um sich für den eigenen Wohlstand zu bedanken und an ärmere Menschen zu denken.

Früher gab es viel mehr Erntefeste, die zum Teil ausgeklügelte Zeremonien besaßen. So ritualisiert ist Erntedank schon längst nicht mehr. Heute geht es eher um Zeichen: Wir zeigen Solidarität mit all denen, die hungern müssen. Bei denen die Ernte nicht so reichlich ausfällt. Solidarität mit all jenen, die unsere Hilfe benötigen. Für sie bitten und spenden wir. Und wir bedanken uns bei Gott für seine Solidarität: dafür, dass er uns den Wohlstand überhaupt erst gegeben hat. Das tun wir in jeder Gabenbereitung, wenn der Priester spricht: „Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde.“ Am ersten Sonntag im Oktober stellen wir dieses Wort ins Zentrum.

Neben all diesen Gesichtspunkten ist Erntedank vor allem aber auch ein Fest, an dem wir uns auf die Wurzeln besinnen. Wir erinnern uns, dass wir Teil der Schöpfung Gottes und der Natur sind. So wie wir uns bei den Solidaritätsaktionen in den Zusammenhang mit allen Menschen stellen, ordnen wir uns durch den Dank an Gott in den Zusammenhang der Schöpfung ein. Wir wissen, dass wir Geschöpfe Gottes sind. Das die Schöpfung unser Geschenk ist. Dafür dürfen wir uns an Erntedank bedanken.

Oktoberfest

Feste, bei denen sich die Menschen bei höheren Mächten bedanken und um Bestand bitten, sind uralt. In der Bibel brachten Kain und Abel Gott Opfer, später waren das Pfingst- und das Laubhüttenfest jüdische Dankesfeste.Das Buch Levitikus, das die meisten jüdischen Kultangelegenheiten regelte, schrieb beispielsweise vor, dem Herrn einen Zehnten „vom Ertrag des Landes und den Baumfrüchten“ sowie von den Rindern, Ziegen und Schafen zu geben. Die alten Germanen dankten dem Gott Odin beim Herbst-Thing, eine große Versammlung, für die Ernte. Im Christentum setzten sich spätestens ab dem 3. Jahrhundert die Dankfeiern durch. Allerdings fand man lange kein einheitliches Datum, in Deutschland setzten die Bischöfe erst 1972 für den Erntedank den ersten Sonntag im Oktober fest.