28. März 2017 Guntram, Ingbert

Karwoche: Karfreitag

"Vater, vergib ihnen"

Verraten, verlassen, verhöhnt: Jesus stirbt den Tod eines Verbrechers. Am Karfreitag muss der Sohn Gottes durch die Hölle. Er wird gequält, gefoltert und gekreuzigt. Am Nachmittag um drei stirbt Jesus schließlich – und mit ihm scheinbar jede Hoffnung. Das Kreuz raubt seinen Anhängern allen Mut. Sie sind verzweifelt und sich sicher: Das ist das Ende. Alles ist vorbei

Gequält, gefoltert und gekreuzigt: Am Karfreitag stirbt Jesus am Kreuz (Foto: Stockxpert)

Eine geschundene Gestalt. Ein gequältes Gesicht. Ein gekreuzigter Gottessohn. Das Kreuz ist kein angenehmes Zeichen. Zumindest nicht das Kreuz, an dem Jesus stirbt. Der Karfreitag und sein Kreuz stehen zunächst einmal für eine tiefe Traurigkeit. Die Jünger sind verlassen. Maria ist verlassen. Jesus ist verlassen. Wir können diesen Schock, diese Trauer nur schwer nachvollziehen. Für die Anhänger Jesu endet eine Zeit, in der sie an eine bessere Welt, an Erlösung dachten. Und nun das: Ihr Messias hängt zwischen zwei Verbrechern und stirbt eines grausamen Todes.

Das Kreuz ist ein schreckliches Symbol. Das Kreuz ist ein wunderbares Symbol. Denn gerade auf diesem Tiefpunkt beginnt das Osterwunder. Wäre Jesu nicht von den Toten auferstanden, das Kreuz wäre ein Fanal für das Ende aller Hoffnung und der Sieg des Bösen geblieben. So aber ist das Kreuz der Ausdruck für den Triumph des Guten. Und vor allem ein Siegessymbol der Liebe. Denn das dürfen wir nicht vergessen: Jesus nimmt die Qualen für uns auf sich. Er opfert sich, um uns zu erretten. Das unbedingte „Ja“ Gottes und Jesu zu uns Menschen wird im Kreuzestod unüberbietbar sichtbar. Am Kreuz wird Jesus mit seiner Sendung und Lehre identisch. Er wurde geschickt, um uns zu erlösen. Er lehrte die unbedingte Liebe – all das manifestiert sich am Kreuz. Jetzt wird uns klar: Die Person Jesu und seine Botschaft sind identisch. Er hat nicht das geredet und dies getan. Sondern er ist das, was er sagt. Und so sind auch seine letzten Worte zu verstehen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das ist keine Anklage, kein Vorwurf. Diese Worte stammen aus einem Psalm – selbst in der Stunde seines Todes bleibt Jesus seinem Vater, bleibt Jesus uns treu. Und darauf dürfen wir uns verlassen.

Simon Biallowons