28. März 2017 Guntram, Ingbert

Pfingsten: Die Geburtsstunde der Kirche

Wenn ein Trainer seine Mannschaft „nicht mehr erreicht“, setzen die Spieler die Anweisungen nicht um. Ähnliche Schwierigkeiten hatte ein ambitioniertes Projekt vor über 2000 Jahren: Die Apostel sollten Jesu Botschaft in der ganzen Welt verkünden, aber das Vorhaben schien zu scheitern. Doch dann kam das Pfingstwunder – die Geburtsstunde der Kirche

Die römisch-katholische Kirche umfasst heute über 1,1 Milliarden Gläubige in aller Welt. Die hebräischen Worte Jesu werden in den vielfältigsten Sprachen und den unterschiedlichsten Dialekten geschrieben und verkündet. Man begreift sich als internationale Gemeinschaft, geeint durch den Glauben an den einen dreifaltigen Gott. Die Kirche ist vom Fundament her auf diese Internationalität ausgelegt. So verheißt der Auferstandene seinen Aposteln: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und in Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Doch wie sollte diese Verheißung erfüllt werden? Die Antwort darauf liefert Pfingsten.

Wie sieht der Heilige Geist aus? Klicken Sie auf das Bild!

Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche. Die Apostel wurden an diesem Tag vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, „in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,4). Das hört sich zunächst banal an, war aber in Wirklichkeit der Auftakt zu einem unglaublichen Siegeszug. Die Apostel waren plötzlich in der Lage, Christi Botschaft in aller Welt zu verkünden. Denn der Heilige Geist wirkte nicht nur wie ein Crashkurs in Sachen Sprache. Vor allem schenkte der Heilige Geist den Aposteln den Mut, sich ihrer Aufgabe zu stellen. Aus den verängstigten, verschüchterten Männern wurden plötzlich selbstbewusste Verkündiger Gottes. Und insofern kann die Bedeutung von Pfingsten kaum überschätzt werden, denn: Jesus mag in den Himmel aufgefahren sein. Doch das bedeutet nicht, dass er seine Apostel, dass er uns einfach im Stich ließ: Jesus schenkte seinen Anhängern eine Gabe, die ihnen die Kraft gibt, jede Situation zu meistern. Und eben das ist der Heilige Geist.

Dieses Motiv der Hilfe hält sich durch. Gott gibt jedem von uns seine ganz persönlichen Aufgaben. Manchmal erscheinen sie uns unlösbar, schlichtweg zu schwer. Doch Gott fordert uns nicht nur. Er schenkt auch das Rüstzeug, mit dem wir unsere Aufgaben bewältigen können. Er lässt uns nicht allein und wartet ab, ob wir zu Recht kommen oder nicht. Gott will, dass wir das Leben meistern. Und dafür spendet Gott der Vater zusammen mit Christus dem Sohn den Heiligen Geist.

Pfingstrose (Foto: sxc)
Sind Rosen besonders gesegnete Blumen? Christen (und nicht nur sie) lieben dieses ambivalente Geschöpf – aber das war nicht immer so.

Wie aber sollen wir uns diesen Heiligen Geist vorstellen? Nach der christlichen Lehre ist er zunächst die dritte Person der Dreifaltigkeit. Und die wirkt nach dem Pfingsterlebnis der Apostel im Menschen selber. Gott ist in uns und uns deshalb so nah wie nie. Auf diese Weise soll und kann der Geist ganz konkret in der Geschichte wirken. Das Großartige: Wir dürfen uns darauf verlassen, dass es der Geist gut mit uns meint. Denn der Geist ist wie Gott pure Liebe. Diese Liebe wirkt für uns Menschen – und sie wirkt in uns Menschen. Wenn wir zum Beispiel völlig unerwartet ein Beispiel großer Nächstenliebe finden, erkennen wir ein wenig der Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Wir brauchen also weniger darüber nachzudenken, wie genau der Heilige Geist sein mag. Leichter ist es, ihn an seinen Früchten zu erkennen.

Durch den Heiligen Geist und das Pfingstwunder konnten alle Menschen wieder eine Basis finden: der Glauben an Gott und Jesus, vermittelt durch den Heiligen Geist. Mit Pfingsten eröffnet sich also die Chance auf den weltweiten Dialog. Beim Turmbau zu Babel zerbrach die Einheit der Menschen, sie verloren ihre gemeinsame Sprache. Pfingsten aber stellt wieder eine Verbindung her. Die Menschen, die vom Heiligen Geist beseelt werden, bilden eine Einheit im Glauben an Gott. Eine Einheit in der Liebe. Pfingsten macht Babel für alle Gläubigen ungeschehen. Man „versteht“ sich plötzlich wieder und bildet eine große Gemeinschaft, zu der alle Menschen berufen sind: die Kirche.

Ende der Osterzeit

Pfingsten geht auf das jüdische Fest Schawout („Siebenwochenfest“) zurück. Der Pfingsttag liegt nämlich sieben Wochen nach Ostern. Zählt man den Ostersonntag und den Pfingstsonntag hinzu liegen 50 Tage dazwischen. Von dieser Zahl leitet sich der Name „Pfingsten“ ab, er bezieht sich auf das griechische Wort für 50: pentekoste. Als eigenständiges Fest wird Pfingsten das erste Mal im 2. Jahrhundert erwähnt und stellt heute das festliche Ende der Osterzeit dar. Die ursprünglich gefeierte Pfingstoktav wurde im Zuge der Liturgiereform des II. Vatikanums gestrichen.

Simon Biallowons

Altarretabel des Sieneser Doms mit Pfingstzyklus (Foto: The Yorck Project)