Ostern: Unser fröhlichstes Fest!

„Ich bin bei Euch alle Tage“

Ostern ist der Höhepunkt des Kirchenjahres. Am Karfreitag herrschten noch Trauer und Schmerz über Jesu Tod. Drei Tage später sind alle Schrecken verflogen, mit der Auferweckung Jesu von den Toten wird das Böse für immer besiegt. Jetzt dürfen wir endgültig sicher sein: Gott meint es gut mit uns

(Foto: Public Domain)

Die christliche Botschaft ist eine „Frohbotschaft“. Sie steckt voller Optimismus und Lebensfreude. Nirgends wird das deutlicher am Osterfest, wenn wir singen: „Jesus lebt! Mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.“ In diesen Zeilen steckt das Geheimnis des Osterfestes, wir wollen uns die entscheidenden Elemente anhand der Liedzeile gesondert ansehen:

„Jesus lebt! Mit ihm auch ich!“

Dieser Ruf ist der Grund des Osterfestes. Jesus ist von den Toten auferweckt worden. Drei Tage lang herrschte Trauer und Tod. Doch am Ostersonntag erweckt Gott seinen Sohn. Der Verlassene, der Gequälte wird zum strahlenden Sieger über alle finsteren Mächte. Am Karfreitag war die Geschichte Jesu zu Ende. Alle Hoffnungen schienen mit Jesu ans Kreuz geschlagen. Doch der scheinbare Tiefpunkt wird nun als Auftakt zu unendlichen Glück begriffen. Gott hat es nicht zugelassen, dass sein Sohn so unrühmlich endet. Jesus Geschichte mit uns Menschen ist nicht zu Ende. Er sagt zu uns: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). In dieser kurzen Verheißung steckt die ungeheure Tragweite der Osterbotschaft: Jesus durchbricht die Isolation der Menschen – die Zeit der Einsamkeit ist vorbei. So wie er sich um Randgruppen wie Aussätzige kümmerte, so verspricht er sich nach Ostern der gesamten Menschheit. Und deshalb dürfen wir allen Ängsten und Nöten ins Gesicht rufen: Jesus lebt! Mit ihm auch ich!

„Tod, wo sind nun deine Schrecken?“

Die Auferstehung Jesu ist aber nicht nur ein Zeichen dafür, dass seine Geschichte mit uns weitergeht. Sie ist auch der Punkt, an dem eine andere Geschichte endet: die des Todes. Christus hat durch Gott die Schrecken des Todes überwunden. Das ist ein Signal für alle: Das Böse hat gegen das Gute keine Chance. Auch wenn wir es noch nicht immer merken. Auch wenn uns viel Leid und Not begegnet – am Ende wird Gott und das Gute die Oberhand behalten. An Ostern siegt deshalb nicht nur Jesus über den Tod. Mit ihm siegen auch wir über alles Verderben.

Das hört sich abgehoben an. Doch der Sieg über das Verderben trifft uns mitten im Leben. Die Auferweckung Christi ist nichts, was nur in ferner Zukunft wirken wird und bis dahin keine Bedeutung für uns hat. Ostern als Fest ist zutiefst menschlich. Weil es uns als Menschen angeht. Weil wir als Menschen nicht nur Kinder Gottes, sondern auch Kinder dieser Erde sind. Und damit Geschöpfe, die endlich, die verletzlich, die eben nicht ewig sind. Ohne Ostern wären wir eingeschlossen in die irdische Dimension, auf das Leben hier begrenzt. Und genau das sind wir nicht. Durch die Auferweckung Christi werden wir hineingenommen in eine Dimension, die das Irdische übersteigt. Wir haben eine Zukunft nach der Gegenwart auf dieser Erde.

Diese Zukunft ist schon angebrochen. Sie hat uns, sie hat diese Erde verändert. Damit drückt die Botschaft von der Auferweckung Christi das aus, was ausgerechnet der große Religionskritiker Friedrich Nietzsche in seinem "Zarathustra" behauptete: "Das Herz der Erde ist von Gold." Christi Auferweckung wirkt auf der Erde und dringt in ihr, in unser tiefstes Innere vor.

„Jesus lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken“

Das bedeutet: Auch wir werden den Tod überwinden werden. Jesus steht stellvertretend für uns alle auf. Er gibt uns die Hoffnung, dass nach dem Tod eben nicht alles vorbei ist. Doch was heißt "Auferweckung" eigentlich? Meistens sprechen wir von „Auferstehung“. Dieser Begriff könnte jedoch in die Irre führen: Jesus erhebt sich nämlich nicht einfach selber und rollt den Stein weg – nein, Gott erweckt ihn. Genauer wäre deshalb „Auferweckung“. Damit wird klarer: Es handelt sich um eine Tat Gottes. Die Totenerweckungen, die Jesus vollbrachte, hatten zum Beispiel auch immer Gott als eigentlichen Urheber. Der Unterschied: Bei diesen Erweckungen wurde das physische Leben zurückgegeben, sozusagen eine „Reparatur“ vorgenommen. In der Auferweckung aber vollendet Gott Jesu Leben und Sterben, er rechtfertigt das Wirken und die Worte seines Sohnes. So trauten sich die Jünger nach der Auferstehung plötzlich, öffentlich aufzutreten und zu predigen – sie waren sich ihrer Sache endgültig sicher. In den Paulinischen Briefen heißt es: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden …“ (1. Tim 2,4). Auferstehung bedeutet also nicht „nur dem Tode entronnen sein“, sondern „endgültig von Gott gerettet und geborgen sein“.

Wie aber sollen wir uns die Auferweckung vorstellen? Wir bekennen die „Auferstehung des Fleisches“. Der berühmte Theologe Karl Rahner erklärt: „Fleisch meint den ganzen Menschen in seiner eigenen leibhaftigen Wirklichkeit. Auferstehung [meint] also die Endgültigkeit und Vollendung des ganzen Menschen vor Gott, die ihm das ewige Leben gibt.“ Gott  erweckt uns in ganzer Wirklichkeit, als ganze Person: Es wird nicht einfach nur ein Körper wieder lebenstüchtig gemacht, sondern wir werden zu einem neuen Leben erweckt. Diese Leben ist völlig anders, als alles was wir kennen. Wir bekommen einen besonderen, einen "himmlischen Leib". Frei von Gebrechen und den Schmerzen, die unsere Endlichkeit bedeuten. Da Jesus an Ostern den Tod und das Leid besiegt hat, werden wir in diesem Leben keine Not erdulden müssen. Diese Hoffnung gründet auf Jesu Auferweckung. Diese Hoffnung gründet auf Ostern.

Alles eine Frage der Berechnung

Zu Beginn des Christentums war das Osterfest kein eigener Anlass. Erst ab dem 2. Jahrhundert gab es eigene Feiern, doch ohne einheitliches Datum. 325 fand das I. Konzil von Nicäa statt und legte fest: Das Osterfest fällt immer auf den 1. Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn. Im 4. Jahrhundert wurde außerdem auch die Praxis eingeführt, Ostern an drei Tagen (triduum paschale) zu begehen. Dennoch: Der Termin war durch Ausrichtung am Frühlingsanfang noch immer nicht fixiert, schließlich war es keinesfalls klar, an welchem Tag der Frühling  nun genau begann. Und so dauerte es noch fast 200 Jahre, bis Dionysius Exiguus  525 den 21. März als Frühlingsanfang festlegte.

Das genaue Datum von Ostern hängt von zwei Ereignissen ab: dem Beginn des Frühlings und dem ersten Vollmond im Frühling. Als Frühlingsbeginn gilt der 21. März. Ostern könnte damit frühestens am 22. März und spätestens am 25. April stattfinden. Insgesamt sind 35 verschiedene Ostertermine möglich.

Woher kommt der Name „Ostern“?

Über die Herkunft des Wortes gibt es keine einhellige Meinung: Eine Variante besagt, dass die teutonische Göttin der Morgenröte, Ostara, bei der Namensgebung Pate stand. Allerdings gibt es Wissenschaftler, die die Existenz einer solchen Gottheit bestreiten und für eine neuzeitliche Erfindung halten. Eine andere Erklärung: Der mittelalterliche Theologe Honorius von Autun bezieht sich auf die Himmelsrichtung Osten: Hier geht die Sonne auf, für Honorius damals das Symbol der Auferstehung.

Simon Biallowons