Unbefleckte Empfängnis Mariens

Maria voll der Gnade

Am 8. Dezember gedenkt die katholische Kirche der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“. Entgegen der weit verbreiteten Annahme hat dieses Marienfest nichts damit zu tun, dass Maria als Jungfrau Jesus geboren hat.

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Während für viele Katholiken in Deutschland Mariä Empfängnis im vorweihnachtlichen Trubel nahezu untergeht, ist in Österreich, Liechtenstein und Teilen der Schweiz der 8. Dezember ein gesetzlicher Feiertag. Wohl kaum ein anderes Fest hat so viele verschiedene Namen. „Hochfest Maria Erwählung“ wird er auch noch genannt. Oder „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Die scheinbar komplizierteste Bezeichnung erklärt diesen Tag etwas genauer: Die „ohne Erbsünde empfangene Jungfrau“ ist der wichtigste Teil dieses Titels.

Maria wurde von ihren Eltern ganz normal gezeugt. Aber weil Gott Maria von Anfang an als diejenige auserwählt hatte, die Jesus zum Sohn haben würde, sprach er Maria von aller Erbsünde frei. Das bedeutet, dass Maria nicht in die Schuld Adams und Evas hineingeboren wurde. Maria ist von Gott begnadet worden, daher auch die Anrede im Mariengebet: „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade...“. Auch die Worte des Erzengels Gabriel zeugen von dieser Gnade im Lukas-Evangelium: „Sei gegrüßt, du begnadete, der Herr ist mit dir.“
Theologen und Kirchen streiten bis heute darüber, wann genau dieser Freispruch stattgefunden haben soll. Im Augenblick der Empfängnis Mariens? Im Augenblick der Geburt? Oder gar erst nach dem Tod?

"Die seligste Jungfrau Maria wurde von jedem Schaden der Erbsünde bewahrt"

Eine Antwort darauf lieferte 1854 Papst Pius IX.: „Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“

Fortan wird der Zeitpunkt des Freispruchs aus katholischer Sicht nicht mehr diskutiert. Der christlichen Lehre nach ist Maria von der Erbsünde rein. Alle anderen Menschen sind automatisch mit dieser Erbschuld behaftet; durch die Taufe haben die Christen allerdings die Möglichkeit, sich etwas von der Erbschuld zu lösen. Einige Folgen der Erbsünde bleiben aber bestehen: der Tod und die sinnliche Begierde. Außer bei Maria. Die Gottesmutterschaft war der Zweck dieses kompletten Freispruchs. Eines Freispruchs, demzufolge Maria eigentlich nicht hätte sterben müssen. Weil nach Pius XII. Maria aber mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden ist, zweifeln Kritiker den kompletten Freispruch der Erbsünde an.

Eine Erklärung für ihren Tod ist unter anderem, dass Jesus die Sünden der Menschen mit dem Tod auf sich genommen hat – und Maria ihrem Sohn nachgefolgt ist. Die Bezeichnung „Tod“ wird bei Maria aber vermieden; es wird mehr von einer „Entschlafung“ gesprochen. Wir feiern das Fest „Unbefleckte Empfängnis“ am 8. Dezember, genau neun Monate vor dem Geburtstag Mariens, dem 8. September.

Katharina Traxel